Der Schneeleopard ist die seltenste Großkatze, die kaum jemand zu Gesicht bekommt.
Daher kommt auch der Name „der Geist der Berge“.
Weltweit soll es noch circa 4.000 Schneeleoparden geben; ungefähr 700 hiervon leben in Indien und von diesen wiederum leben ungefähr 50 Tiere in Himachal Pradesh, wohin mich meine Reise bringen sollte.
Wie kam es zu meiner „Schneeleoparden-Aktion“?
Weihnachten 2024 verbrachten wir im Kanha Nationalpark in Indien. Dort lernten wir Akhil kennen, der zu dieser Zeit Naturalist in Kanha war und uns auf unseren Tiger-Safaris dort begleitete – sich aber nebenbei auch eine Reiseagentur für Naturreisen in Indien aufbaute. Eine der Reisen, die er bereits angeboten hatte, war eine Schneeleoparden-Expedition im Spiti-Tal in Himachal Pradesh in Nord-Indien.
Das klingt schon toll – dachte ich (Ralph) mir damals sofort, als er uns davon erzählte. Wie bescheuert muss man sein, bei -25°C in einer Höhe von circa 4300 Meter so einen Stress auf sich zu nehmen – dies war Dagmars erster und finaler Gedanke.
Letztendlich war zu diesem Zeitpunkt der Schneeleopard die einzige Großkatzen-Art, die ich noch nicht in freier Natur gesehen habe. Wir haben Löwen in Afrika sehen können, Leoparden in Indien und Afrika, Tiger in Indien und Jaguare im Pantanal in Brasilien. Aber der Schneeleopard fehlte noch.
So kam es, wie es kommen musste. Allein meldete ich mich für dieses Abenteuer im Februar 2026 an.
5 Wochen vor Beginn der Expedition
Jetzt sitze ich, am 06.01.2026, im schönen Saarland im warmen Wohnzimmer und habe eben die Wetter-App für Kibber gecheckt. Die Vorhersage reicht nur bis zum 19. Januar: es sind bis dahin tatsächlich Temperaturen gemeldet, die nachts Werte bis zu -32° C erreichen; tagsüber werden immerhin Maximalwerte von -10° C in Aussicht gestellt. Langsam bin auch der Meinung, dass es eine bescheuerte Idee gewesen sein könnte – aber zu spät: Gebucht und bezahlt – kein zurück.
Und sämtliche Klamotten, die mich hoffentlich warm halten, sind auch schon beschafft. Lange Unterhosen, wärmeisolierte Hose, gefütterte Schuhe, eine Jacke, die angeblich bis zu -20° Celsius schön warm hält und eine Mütze, die mir noch ganz viel Glück bringen sollte.
Kleidungsmäßig sollte also alles passen…
…deshalb beschäftige ich mich jetzt lieber mit der Route von Delhi, dem Startpunkt der Reise, bis nach Kibber, dem Ausgangspunkt der Schneeleoparden-Expedition im Spiti-Valley.
3,5 Tage Anreise nach Kibber sind geplant
Um sich langsam an die Höhe zu gewöhnen, aber auch den winterlichen indischen Straßenverhältnissen geschuldet, sind gute 3 Tage Anreise nach Kibber geplant.

Insgesamt sind circa 850 Kilometer zurückzulegen, die sich gemäß Reiseplanung in folgende Teilabschnitte aufteilen:
Tag 1: Delhi – Shimla => 378 Kilometer, 7:25 Stunden Fahrzeit, Höhe Shimla ca. 2300 mNN
Tag 2: Shimla – Kalpa => 236 Kilometer, 7:31 Stunden Fahrzeit, Höhe Kalpa ca. 2800 mNN
Tag 3: Kalpa – Tabo => 172 Kilometer, 4:30 Stunden Fahrzeit, Höhe Tabo ca. 3300 mNN
Tag 4: Tabo – Kibber => 67 Kilometer, 02:41 Stunden Fahrzeit, Höhe Kibber ca. 4300 mNN
Der Stopp in Kalpa wird auch benötigt, um die ILP (Inner Line Permit) zu erhalten. Da sich Spiti in der Grenzregion zu China befindet, ist die ILP erforderlich, um bestimmte Gebiete dieser Region bereisen zu dürfen.
Soweit zur Theorie – nun zur Praxis: am 08.02. ging mein Flug von Frankfurt, über Istanbul, nach Delhi – und am 10.02.26 startete das Abenteuer.
Die Anreise zur Schneeleoparden-Expedition
Wie bereits beschrieben, dauerte die Anreise von Delhi knappe 4 Tage. Dass die lange Anreise und, einhergehend damit, das langsame Gewöhnen an die Höhe Sinn machen, zeigte sich bei mir darin, dass ich – glücklicherweise – mit keinen Anzeichen der Höhenkrankheit zu kämpfen hatte. Trotz aller Vorwarnungen blieben auch die Kopfschmerzen in der ersten Nacht in Kibber aus.

Faszinierend ist es, wie sich die Landschaft mit jedem gefahrenen Kilometer verändert. In der Gegend um Shimla gibt es noch Bäume, aber es zeigt sich dann langsam auch der erste Schnee.

Nach und nach wird dann die Baumgrenze erreicht und der Schnee wird immer mehr, die Bevölkerungsdichte wird immer weniger.
Wenn man nicht schwindelfrei ist, ist die Fahrt nicht immer unbedingt ein Hochgenuss – so toll die Aussichten unterwegs auch sind.

Links geht es senkrecht nach unten, von rechts oben kommt immer mal wieder Geröll und kann die Weiterfahrt verzögern oder auch unmöglich machen. Lozy, mein Fahrer, meinte, dass man speziell in der Regenzeit diese Strecke unbedingt meiden sollte, da es dann verstärkt zu „landslides“ käme.
Im Spiti-Valley herrscht eine Trockenwüste vor. Geprägt von kahlen Felsen und dramatischen Gebirgslandschaften, liegt es im Regenschatten des Himalayas. Mit nur ca. 50 mm Niederschlag jährlich und extrem kalten Wintern (bis -30°C und weniger) ist es eine der am höchsten bewohnten, unberührtesten Wüstenregionen der Welt.
Kibber, der Ausgangspunkt unserer Unternehmungen
Im rauen Spiti-Tal des Trans-Himalaya in Nord-Indien, liegt das kleine Bergdorf Kibber – ein abgelegener Ort, der bei Fotograf:innen und Naturfreund:innen weltweit, aus einem ganz bestimmten Grund, Kultstatus erlangt hat.

Umgeben von schroffen, steilen Felswänden und dem tiefen Blau des Himalaya-Himmels, ist Kibber weit mehr als nur ein kleines Dorf: Es ist das Tor zu einer besonderen Wildnis, die vor Leben nur so strotzt – ganz besonders, wenn es um einen der geheimnisvollsten Bewohner dieser Höhen geht: den Schneeleoparden.
Das Dorf auf 4300 m
Kibber selbst ist ein sehr kleines, traditionelles Dorf im tibetischen Stil, mit nur etwa 80 Haushalten, eingebettet in eine atemberaubende, windgepeitschte Landschaft.
Landwirtschaft und Weidewirtschaft prägen hier im Sommer den Alltag, und Besucher:innen erhalten bei einem Aufenthalt – vor allem im Winter – einen tiefen Einblick in jahrhundertealte, buddhistisch geprägte Hochgebirgskultur.
Besonders ergreifend fand ich den Moment, als wir Vorschulkinder besuchen durften, die bei ihrem morgendlichen Schulritual beten, Gymnastik machen und unter anderem die indische Nationalhymne singen.

Doch was viele nach Kibber zieht, ist nicht nur die Stille der Berge oder die herzliche Gastfreundschaft der Einheimischen: Es sind vor allem die Schneeleoparden – die legendären „Geister der Berge“.
Kibber und die Schneeleoparden
Warum gerade Kibber?
Das Dorf liegt mitten im Kibber Wildlife Sanctuary, einem der größten und höchstgelegenen Wildschutzgebiete Nordindiens. Dieses Gebiet erstreckt sich über tausende Quadratkilometer karger Hochplateaus, steiler Felsriegel und schneebedeckter Grate – genau das Terrain, das Schneeleoparden bevorzugen.

👉 Höhenlage & Klima: Auf rund 3 800 m bis über 6 000 m bietet das Schutzgebiet extreme Bedingungen, in denen kaum andere Großräuber konkurrieren können. Schneeleoparden fühlen sich hier besonders wohl – auch weil sie durch ihre Tarnung und Anpassung perfekt auf diese zerklüfteten Felsenlandschaften eingestellt sind.
👉 Reiches Nahrungsangebot: Die Umgebung um Kibber ist Heimat von Bharal (Blaues Schaf), Himalaya-Ibex (Steinbock) und weiteren Beutetieren, die den Schneeleoparden einen festen Platz im Ökosystem sichern und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, die Großkatze beobachten zu können.
👉 Winterwandern & Beobachtungschancen: Zwischen Januar und März ziehen die Tiere wegen der harten Winterbedingungen oft in niedrigere Lagen – nahe den Tälern und sogar in die Umgebung von Kibber –, was die Chancen auf Sichtungen für Fotograf:innen und Naturbeobachter:innen deutlich erhöht.
👉 Die Einstellung der Bewohner von Kibber: Längst haben die Bewohner von Kibber und anderer umliegender Dörfer erkannt, dass der Schneeleopard mehr Segen als Unheil bringt. Man lässt den Schneeleoparden und seinen Beutetieren genug Raum zum Leben und beweidet mit eigenen Nutztieren Flächen, ohne mit den Steinböcken und Blauschafen – den hauptsächlichen Beutetieren der Schneeleoparden – in Konkurrenz zu treten. Mit Homestays lässt sich gut Geld verdienen. Zudem arbeiten viele Männer im Winter, wenn die Landwirtschaft ohnehin brach liegt, als Tracker.
Meine 6 Expeditionstage im Spiti-Tal
Ganz klar lag der Schwerpunkt für mich, während meines Aufenthalts im Spiti Valley, auf der Suche nach dem / den Schneeleopard/en und seinen Beutetieren.

Aber auch drumherum hat die Gegend einiges zu bieten. Neben der beeindruckenden Winter-Landschaft gibt es zum Beispiel ursprüngliche Dörfer und verschiedene Klöster, die man besuchen kann.
Tag 1 – erste Wildlife-Erlebnisse
Wie an allen weiteren Tagen, war auch am ersten Expeditionstag ein Aufstehen um 08:00 Uhr angesagt.
Da es zumindest in den Wintermonaten kein fließendes Wasser gibt, bekam ich jeden Morgen einen Eimer warmes Wasser hingestellt. Im eiskalten Gemeinschaftsbad war somit für die nötigste Körperhygiene gesorgt.
Nach dem Frühstück war die spannende Frage immer, ob sich die Tracker wegen möglicher Sichtungen melden. Wenn ja, ging es sofort und zügig an den potenziellen Beobachtungsspot. Wenn nein, wurde entweder Alternativprogramm geboten (wie zum Beispiel eine Klosterbesichtigung) oder wir haben uns selbst auf die Suche nach „Spiti-Wildlife“ gemacht.
Am ersten Expeditionstag meldeten sich die Tracker tatsächlich. Ein Wolf wurde in der Nähe der Chicham-Brücke gesichtet.

Sofort machten wir uns auf den Weg – zunächst mit dem Auto zur Brücke, dann zu Fuß auf den Hügel neben der Brücke, um einen möglichst guten Blick auf den Wolf zu haben.
Beim Besteigen des Hügels wurde mir das erste Mal richtig bewusst, in welcher Höhe wir uns befanden. Es waren vielleicht 50 Höhenmeter zu überwinden – viel mehr war es sicherlich nicht. Aber in rund 4200 Metern Höhe musste ich für das Überwinden der wenigen Höhenmeter mehrfach kurze und intensive Stopps einlegen – und dennoch war der Sauerstoff knapp und ich „pumpte“, als wäre ich eben einen Marathon in Rekordzeit gelaufen.
Kein Wunder, dass ich auf den Wolf, bis ich oben auf dem Hügel ankam, nur noch einen Fernblick erhaschen konnte. Zu weit war er schon entfernt.
So ging es den Hügel wieder runter und es war Zeit, sich die Chicham-Brücke genauer anzuschauen.

Die Chicham-Brücke verbindet die Ortschaften Kibber und Chicham. Die Hängeseilbrücke ist circa 115 Meter lang und überspannt eine gut 300 Meter tiefe Schlucht. Angeblich ist die Chicham-Brücke die höchste Hängeseilbrücke Asiens und somit ein kleiner Touristen-Hotspot im Spiti-Tal.
Da keine weiteren Tier-Sichtungen durch die Tracker gemeldet waren, machten wir uns nun selbst auf die Suche. Relativ schnell konnten wir Blauschafe und auch die ersten Steinböcke finden.


Um aber auch den ersten Schneeleoparden zu sehen, wollten wir weiter hinauf in die Berge. Vielleicht sollten wir dort Glück haben.

Ganz so weit, wie erhofft, kamen wir dann aber nicht. Eine kleine „Lawine“ hatte Schnee auf der Straße verbreitet.

Das End‘ vom Lied war, dass wir uns im Schneehaufen festgefahren hatten und der Rest des Nachmittags mit dem Freischaufeln des Autos ausgefüllt war. Letztendlich hatte uns dann aber ein freundlicher Inder mit seinem Jeep aus unserem Lawinenabgang herausgezogen.
Das Objekt der Begierde konnten wir am ersten Tag noch nicht sehen. Aber da wir einige Beutetiere des „Geists der Berge“ sehen konnten, bestand die berechtigte Hoffnung auf mehr.
Tag 2 – keine Meldung durch die Tracker
Keinerlei Tiersichtungen wurden durch die Tracker am Morgen gemeldet. So machten wir es wie am Nachmittag des Vortages und versuchten unser Glück auf eigene Faust.
Erneut sind wir hoch in die Berge gefahren und diesmal nicht im Schnee stecken geblieben. Bei zweistelligen Minusgraden verbrachten wir einen kompletten Vormittag an einer Stelle, an der wenige Tage vorher noch eine Schneeleoparden-Sichtung erfolgte. Wir waren an diesem Tag leider erfolglos.

Jedoch hatten wir von dieser Stelle eine tolle Aussicht auf das Kloster von Key.
Ein tibetisches Mittagsgericht durften wir im Zuhause eines unserer Tracker und Helfer, sein Name ist Tashi, genießen. Seine Familie bekochte uns mit Thenthuk. Thenthuk ist eine Nudel-/Gemüsesuppe und hat wirklich toll geschmeckt. Überhaupt war es spannend und beeindruckend im Heim einer lokalen Familie Gast sein zu dürfen.

Nach dem leckeren Mittagessen und einer Tasse Buttertee, den ich mehr als grauenhaft fand, machten wir uns erneut auf die Suche nach der Tierwelt des Himalaya. Und, wir wurden dreifach fündig.
Sowohl Wölfe und ein Paar Rotfüchse haben wir beobachten können, wie auch eine Herde Steinböcke, die unmittelbar vor uns die Straße kreuzte.

Die Rotfüchse sind zwischenzeitlich rund um Kibber leider sehr selten. Die vielen verwilderten Hunde vertreiben die Füchse mehr und mehr, so dass wir uns richtig glücklich schätzten, die beiden Füchse so nah und ausgiebig beobachten zu dürfen.


Das Schauspiel, das uns die Steinböcke boten, war unglaublich toll. Vermutlich der „Leitbock“ kreuzte als erster unseren Weg – nur wenige Meter von uns entfernt. Er erklomm, gefolgt von vielen weiteren Steinböcken, einen Hügel und präsentierte sich in seiner ganzen Pracht.

Mit diesen Sichtungen – Wölfe, Steinböcke und Rotfüchse – war Tag 2 ein wahrlich erfolgreicher Tag.

Tag 3 – Meine Glücksmütze und ein Anruf im Kloster Key / Teil 1
Bis um 10:00 Uhr am Morgen gab es erneut keine Meldung über Tiersichtungen. Um ehrlich zu sein, habe ich schon langsam begonnen, mir meine Schneeleoparden-Sichtungen abzuschminken. Der dritte von sechs Tagen hat schon begonnen und es tat sich einfach nichts. Tja – nicht umsonst handelt es sich um einen „Geist“, den wir sehen wollen.
Als Alternativprogramm sind wir das Kloster der Ortschaft Key angefahren. Da ein langes Ansitzen in der Kälte heute offensichtlich nicht notwendig war, wechselte ich zudem einen Teil meines Outfits: die dicke „Kunstfell-Russenmütze“ blieb im Homestay, dafür setzte ich mir die leichtere Wollmütze auf – nichtsahnend, dass dies noch meine Glücksmütze werden sollte.
Das Kloster von Key
Das Kloster von Key, auch Key Monastery oder Kye Gompa genannt, ist eines der bedeutendsten und ältesten buddhistischen Klöster im Spiti-Tal.

Es thront majestätisch auf einem Hügel in etwa 4.200 Metern Höhe über dem Meeresspiegel und bietet spektakuläre Ausblicke auf das karge Hochland und auf die gleichnamige Ortschaft Key.

Das Kloster wurde im 11. Jahrhundert gegründet und ist mehr als 1.000 Jahre alt. Es soll von Dromtönpa, einem Schüler des berühmten buddhistischen Lehrers Atisha, initiiert worden sein und gehört heute zur Gelugpa-Tradition des tibetischen Buddhismus.
Architektonisch unterscheidet sich das Kloster von Key deutlich von vielen anderen buddhistischen Sakralbauten: Durch seine lange Geschichte, in der es mehrfach von Angriffen, Erdbeben und Bränden beschädigt und wieder aufgebaut wurde, wirkt es wie eine lebendige Festung, die sich schichtweise an den Berghang schmiegt. Innen führen verwinkelte Gänge zu Gebetshallen, Meditationsräumen, Wohnzellen und Bibliotheken mit alten Manuskripten, Thangkas und buddhistischen Schriften. Leider ist das Fotografieren im Inneren des Klosterbereichs verboten.
Als größtes Kloster im Spiti-Tal ist es bis heute ein aktives spirituelles Zentrum: Rund 200 bis 300 Mönche leben, studieren und praktizieren hier, viele von ihnen erhalten sowohl religiöse als auch weltliche Ausbildung bis zum Abschluss der 10. Klasse, bevor sie in höhere buddhistische Studien aufbrechen.

Ein Höhepunkt in der neueren Geschichte des Klosters war das Jahrtausend-Jubiläum im Jahr 2000, bei dem der Dalai Lama eine neue, größere Gebetshalle weihte. Diese Halle ist reich mit traditionellen Wandbehängen und heiligen Figuren geschmückt und gilt als einer der spirituellen Höhepunkte des Ensembles.
Das Kloster von Key ist nicht nur ein spirituelles Zentrum, sondern auch ein kultureller Schatz: Die Klostermauern sind mit jahrhundertealten Murals, Fresken und Bildern geschmückt, die Szenen aus dem Leben Buddhas und anderen buddhistischen Lehren zeigen. Dabei spiegeln sie den Einfluss tibetisch-himalayanischer Kunststile wider.

Wir waren noch dabei das Kloster zu erforschen, als Lobzangs Handy klingelte. Lobzang ist ebenfalls ein Tracker und Helfer und betreute mich während meines kompletten Aufenthalts.
„Snow Leopard Sighting“ sagte er, als der Anruf beendet hatte. Klar – wir stoppten sofort die Besichtigung des Klosters, rannten zum Auto (bergab war sogar ich unter diesen Umständen trotz der Höhe schnell) und fuhren zum Ort der Sichtung.

Und tatsächlich hatten wir Glück: eine Schneeleoparden-Mama zeigte sich. Ihre zwei Jungen waren gut versteckt in der Felswand – man konnte nur einen Schwanz aus dem Fels heraushängen sehen. Aber die Mutter kam offensichtlich von einer erfolglosen Jagd zurück, um nachts bei ihren Jungtieren zu sein. In etwa 200 Metern Entfernung präsentierte sie sich uns, bevor es langsam dunkel wurde.

Immerhin hat es endlich geklappt – mein erster Schneeleopard. Wie glücklich mich dies machen konnte….
Tag 4 – Meine Glücksmütze und ein Anruf im Kloster Key / Teil 2
Tag 4 begann wie Tag 3: die Tracker meldeten keine Sichtung. Ein erneutes Alternativprogramm war angesagt.
Also fuhren wir erneut zum Kloster von Key, um unsere am Vortag abgebrochene Besichtigung fortzusetzen.
Kaum waren wir am Kloster aus dem Auto ausgestiegen, klingelte erneut Lobzangs Handy: „Snow Leopard Sighting“.
Zurück ins Auto und ab an die selbe Stelle wie am Vortag. Diesmal war es jedoch nicht die Mutter, sondern der „Chef des Reviers“, der dominante männliche Leopard der Region, der sich gezeigt hat.

Da gerade Paarungszeit war, mussten wir leider davon ausgehen, dass die Leopardenmutter mit ihren zwei Jungtieren das Weite gesucht hatte, da ansonsten das Männchen die Jungtiere tot beißen könnte, um die Mutter in eine erneute Paarungsbereitschaft zu bringen.

Da die Wahrscheinlichkeit, eine Mutter mit Jungtieren zu sehen, ohnehin nicht allzu groß ist, freuten wir uns umso mehr über die Möglichkeit den „Herr des Reviers“ zu beobachten.

Er war noch weiter entfernt als am Vortag das Muttertier. Es war jedoch spannend zu sehen, wie diese Tiere mit ihrer Umgebung „verschmelzen“. Wenn ich nur einmal kurz weg schaute, hatte ich Probleme, den gut getarnten Leoparden wieder zu finden.
Immerhin: die weite Anreise hatte sich nun tatsächlich gelohnt. Immerhin zwei Sichtungen von Schneeleoparden, zusätzlich Steinböcke, Blauschafe und Rotfüchse. Entspannt konnte ich nun die letzten beiden Tage angehen.
Da an den beiden letzten Tagen die frühen morgendlichen Erfolgsmeldungen der Tracker ausblieben, gab mir Dagmar beim abendlichen Telefonat im Spaß den Tipp, meine Glücksmütze besser gleich beim Frühstück aufzusetzen. Vielleicht würde sie gleich wirken und nicht erst, wenn wir im Kloster von Key stehen…
Tag 5 – Unverhofft kommt oft
Warum nicht, dachte ich mir, und saß am fünften Expeditionstag um 08:00 Uhr mit Glücksmütze auf dem Kopf beim Frühstück.

Und…
…die Tür ging auf, Lobzang kam herein und sagte: „Mother with two cubs“.
Ich ließ Frühstück Frühstück sein und wir sausten los.

Was keiner erwartet hatte: die Mutter mit ihren beiden Babies war immer noch in der Nähe der selben Stelle, an der sie bereits vor zwei Tagen war und an der am Vortag der dominante männliche Leopard gesehen wurde.
Welch ein Glück wir an diesem Tag hatten. Wir konnten die kleine Schneeleoparden-Familie den kompletten Tag beobachten.
Zunächst schliefen alle Drei eng zusammen gekuschelt, als wir ankamen. Dann verließ die Mutter die beiden Kleinen.
Wir vermuteten, dass sie jagen gehen würde, aber bereits nach wenigen Minuten folgten ihre Jungtiere.

Elegant stiegen alle Drei die steile Felswand in die Schlucht hinab, um auf der anderen Seite der Schlucht die Wand wieder hoch zu steigen. Immer gut getarnt und unglaublich flink unterwegs.

Das Trio suchte sich und fand auch einen neuen Schlafplatz und wir Beobachter mussten erfahren, welche Ausdauer eine Schneeleoparden-Expedition erfordert: wegen des Dauerschlafs der Tiere tagsüber, zeigten sie zwischen 10 Uhr am Morgen und 17 Uhr am späten Nachmittag keine weiteren Aktivitäten.
Erst als es schon langsam dunkel wurde, ging die Mutter erneut auf die Jagd.
Einen kompletten Tag verbrachten wir an Ort und Stelle, um bei Temperaturen zwischen -10°C und -20°C diese außergewöhnliche Sichtung zu genießen. Die Kälte spürte vor lauter Aufregung keiner von uns, das Adrenalin wärmte innerlich…

Tag 6 – Sightseeing und letzte Sichtungen
Die Meldung der Tracker besagte am Morgen, dass die beiden Jungtiere immer noch an der gleichen Stelle wie am Vorabend wären, die Mutter jedoch noch nicht zurück sei.
Aus diesem Grund entschlossen wir uns, zunächst etwas Zeit dem Sightseeing zu widmen, um an den Schneeleoparden-Spot am Nachmittag zurückzukommen.
Wir unternahmen den dritten Anlauf um das Kloster in Key fertig zu besichtigen. Ferner fuhren wir in die Stadt Kaza, die als eigentliche „Metropole“ im Spiti-Tal einen sehr trostlosen Eindruck machte.

Auch der Ortschaft Key, unterhalb des Klosters gelegen, statteten wir noch einen kurzen Besuch ab.

Am Nachmittag war die Schneeleoparden-Mutter immer noch nicht zu den Jungen zurückgekehrt – dennoch entschlossen wir uns, nochmal bei den Jungtieren anzusitzen – in der Hoffnung, dass auch die Mutter nochmal zurück käme.

Doch die Mutter kam den ganzen Tag nicht zurück und die Jungtiere blieben somit allein in ihrer kleinen Felsnische zurück. Wir hatten uns schon Gedanken gemacht, ob der Mutter bei der Jagd etwas zugestoßen sein könnte. Zum Glück war dem nicht so: am späten Abend kam die Meldung, dass sie gespottet wurde und tatsächlich bei der Jagd erfolgreich war. Sie und ihre Babies hatten endlich wieder etwas zu fressen.
Als Ausklang für den letzten Expeditionstag war jedoch auch die Sichtung von „nur“ zwei Schneeleopardenbabies ein mehr als tolles Ereignis.
Und nicht zu vergessen: auch diesen hübschen Fuchs, der sich im herrlichsten Sonnenlicht präsentierte, konnten wir ebenfalls noch sehen.

Einen besseren Abschluss konnte es für das Abenteuer „Schneeleoparden im Spiti-Tal“ nicht geben.
War die Schneeleoparden-Expedition den ganzen Stress wert?
Kurz und knapp für mich geantwortet: JA!
Anfängliche Zweifel, vor allem kurz vor Reiseantritt, legten sich schnell.

Beeindruckende Bergwelt, beeindruckende und unvergessliche Tiersichtungen und die freundlichen, hilfsbereiten Menschen, machten die Anstrengungen der mehrtägigen Anreise schnell vergessen. Und wenn man dann den ersten Schneeleoparden sieht, ist ohnehin alles egal.
Ich würde es wieder tun….














































































































Welch ein toller Bericht von einer unbeschreiblichen Reise. Danke
Hallo Christa
Vielen Dank fürs Lesen.
Tatsächlich war diese Reise – nicht zuletzt auch wegen des Expeditionscharakters – so ziemlich das Spektakulärste und Außergewöhnlichste, was ich bislang dahingehend erleben konnte.
Ich kann es Dir nur empfehlen.
Viele Grüße nach SA…
Amazingly described all details…. I am very happy to read your blog that you are happy after this expedition…. 🙏🏻
Hello Akhil
I enjoyed this successful expedition absolutely – an once-in-a-lifetime-experience.
Thanks for organizing this trip.