Nürnberg – Unsere 14 absoluten Highlights in einer Stadt, die Kontraste großartig vereint

Nürnberg ist meine, Ralphs, Heimatstadt, in der ich viele Jahre verbrachte, bevor es mich über Umwege ins Saarland zog. Es ist also nicht allzu verwunderlich, dass wir regelmäßig immer wieder in Deutschlands schönste Stadt zurückkehren.

Unsere kurze Einleitung zu Nürnberg

Obwohl Ansbach offiziell die Hauptstadt Mittelfrankens ist, trägt Nürnberg diesen Titel im Herzen vieler Franken mit Stolz – als kulturelles, wirtschaftliches und historisches Zentrum der Region bzw. in der Großregion Nürnberg / Fürth / Erlangen. Mit rund einer halben Million Einwohnern ist Nürnberg die zweitgrößte Stadt Bayerns und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die weit ins Mittelalter reicht. Einst eine der bedeutendsten Handelsstädte des Heiligen Römischen Reiches, war sie nicht nur ein Zentrum für Handwerk und Kunst, sondern auch eine der bevorzugten Residenzen der Kaiser.

Tolles Wohnen an der Pegnitz in Nürnbergs Altstadt.
Tolles Wohnen an der Pegnitz in Nürnbergs Altstadt.

Die imposante Kaiserburg, die majestätisch über der Altstadt thront (jeder kennt sie aus der Werbung der Nürnberger Versicherung), zeugt noch heute von dieser glanzvollen Vergangenheit. Ebenso untrennbar mit Nürnberg verbunden sind Namen wie Albrecht Dürer, der berühmte Renaissancekünstler, der traditionsreiche Christkindlesmarkt, einer der ältesten und bekanntesten Weihnachtsmärkte der Welt und „der Glubb“, Nürnbergs Traditionsverein – der 1.FCN.

Doch Nürnberg ist mehr als nur Historie: Die Stadt verbindet Alt und Neu mit einer Selbstverständlichkeit, die Besucher wie Einheimische gleichermaßen begeistert – sei es in der lebendigen Kulturszene, der deftigen fränkischen Küche oder in den charmanten Gassen der Altstadt, die zum Verweilen einladen.

Unsere 14 Highlights in Nürnberg

🪦 1 – Der Johannisfriedhof – Ein stiller Ort voller Geschichte

Nur wenige Schritte vom Trubel der Nürnberger Altstadt entfernt liegt einer der schönsten und zugleich geschichtsträchtigsten Friedhöfe Deutschlands: der Johannisfriedhof. Hinter den schweren Sandsteinmauern öffnet sich ein Ort der Stille, der nicht nur als Ruhestätte dient, sondern auch als Spiegel der Nürnberger Stadtgeschichte.

Der Johannisfriedhof in Nürnberg ist ein bunter und blumiger Geheimtipp.
Der Johannisfriedhof ist ein bunter und blumiger Geheimtipp.

Angelegt im Mittelalter, ist der Johannisfriedhof eng mit der Reformation verbunden – hier wurden ab dem 16. Jahrhundert vor allem evangelische Bürger beigesetzt. Besonders auffällig sind die Natursteinblöcke mit bronzenen Verzierungen, die auf den gepflegten Grabstätten liegen. Jede von ihnen erzählt ein Stück Nürnberger Geschichte – viele tragen kunstvoll gearbeitete Inschriften, die an Kaufleute, Handwerker, Künstler und Gelehrte erinnern.

Der Johannisfriedhof in Nürnberg im Stadtteil Johannis.
Der Johannisfriedhof.

Der wohl bekannteste „Bewohner“ des Johannisfriedhofs ist Albrecht Dürer, Nürnbergs berühmtester Sohn. Sein Grab ist bis heute ein Ort der stillen Verehrung für Kunstliebhaber aus aller Welt. Doch auch andere bedeutende Persönlichkeiten fanden hier ihre letzte Ruhe, darunter der Humanist Willibald Pirckheimer oder der Arzt und Botaniker Joachim Camerarius.

Der Johannisfriedhof mit dem Grab von Albrecht Dürer ist in Nürnberg ist ein bunter und blumiger Geheimtipp.
Der Johannisfriedhof mit dem Grab von Albrecht Dürer ist ein bunter und blumiger Geheimtipp.

Im Frühjahr und Sommer verwandeln die blühenden Pflanzschalen und gepflegten Buchsbaumhecken den Friedhof in ein kleines Gartenparadies. Trotz der ernsten Bestimmung strahlt dieser Ort dann eine friedliche Schönheit aus – ideal für einen Moment der Besinnung und ein stilles Nachdenken über die Vergänglichkeit.

Auch wenn Friedhöfe eigentlich kein Ort für Spaziergänge sind, solltet Ihr Euch Zeit für diesen magischen Ort nehmen.

Einen riesigen Kontrast zum Johannisfriedhof stellt

🖼️ 2 – Das Neue Museum – das Tor zur zeitgenössischen Kunst

dar.

Das Neue Museum in Nürnberg bei Nacht.
Das Neue Museum bei Nacht.

Mitten im historischen Herzen Nürnbergs, dort wo mittelalterliche Stadtmauern auf moderne Architektur treffen, findet Ihr das Neue Museum – ein faszinierender Kontrast zur traditionsreichen Umgebung. Der lichtdurchflutete Bau aus Glas und weißem Sichtbeton, entworfen vom Berliner Architekten Volker Staab, wirkt auf den ersten Blick wie ein architektonischer Fremdkörper – und doch fügt er sich harmonisch in die Stadtstruktur ein. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2000 ist das Museum ein fester Anziehungspunkt für Kunstliebhaber, Architekturfans und neugierige Flaneure.

Die freitragende postmoderne Wendeltreppe im Neuen Museum in Nürnberg.
Die freitragende postmoderne Wendeltreppe im Neuen Museum.

Das Neue Museum widmet sich der Kunst und dem Design der Gegenwart. Die Sammlung umfasst Werke aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart – darunter Malerei, Skulptur, Fotografie, Video- und Medienkunst. Zu den ausgestellten Künstlern zählen sowohl international bekannte Namen wie Gerhard Richter oder Andy Warhol als auch spannende Positionen junger, aufstrebender Kunstschaffender.

Das Neue Museum in Nürnberg.
Das Neue Museum.

Nicht zuletzt ist das Museum selbst ein Kunstwerk: Die weit geschwungene Glasfassade öffnet den Blick nach außen und symbolisiert Offenheit – ein bewusstes Zeichen in einer Stadt, die sich immer wieder mit ihrer Geschichte auseinandersetzt. Das Neue Museum zeigt, dass Nürnberg nicht nur von der Vergangenheit lebt, sondern sich mutig der Zukunft stellt.

Noch einen kleinen Fun-Fact zum Neuen Museum:
In dem Gebäude, in dem nun die Bibliothek ist, war früher eine Peep-Show. Auch diese Tatsache zeigt, wie kontrastreich Nürnberg ist.

🌁 3 – Der Henkersteg in Nürnberg – ein stiller Zeuge düsterer Geschichte

Der Henkersteg ist eine der bekanntesten historischen Brücken Nürnbergs und ein echtes Wahrzeichen der Stadt. Er wurde im Jahr 1595 aus Holz erbaut und überspannt die Pegnitz im Herzen der Altstadt. Seinen ungewöhnlichen Namen verdankt der Steg seiner unmittelbaren Nähe zum sogenannten Henkerhaus – dem einstigen Wohnhaus des städtischen Scharfrichters.

Der Henkersteg über die Pegnitz am Trödelmarkt in Nürnbergs Altstadt.
Der Henkersteg über die Pegnitz am Trödelmarkt in Nürnbergs Altstadt.

Da der Beruf des Henkers gesellschaftlich geächtet war, lebte dieser abgeschieden vom restlichen Stadtgeschehen. Der Steg diente ihm als Zugang zur Stadt, ohne dabei den direkten Kontakt mit der Bevölkerung suchen zu müssen. Heute beherbergt das Henkerhaus ein kleines Museum, das anschaulich über das Leben und die Arbeit des Henkers informiert.

Der Henkersteg über die Pegnitz beim Trödelmarkt in Nürnberg.
Der Henkersteg über die Pegnitz beim Trödelmarkt.

Mit seiner malerischen Lage, dem historischen Flair und dem Blick auf die Fachwerkhäuser entlang der Pegnitz ist der Henkersteg ein beliebtes Fotomotiv und ein Muss bei jedem Altstadtspaziergang.

Der Henkersteg über die Pegnitz am Trödelmarkt in Nürnbergs Altstadt.
Der Henkersteg über die Pegnitz am Trödelmarkt.

Vom „alten“ Henkersteg nun wieder einer kontrastreicher Wechsel in

🛣️ 4 – die Straße der Menschenrechte – Ein kraftvolles Zeichen im Herzen der Stadt

Mitten in der Nürnberger Altstadt, am Eingang zum Germanischen Nationalmuseum, zieht ein außergewöhnliches Kunstwerk die Blicke auf sich: die Straße der Menschenrechte. Sie besteht aus 27 weißen, monumentalen Säulen, einem Torbogen und in den Boden eingelassenen Tafeln – auf jeder ist ein Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in deutscher Sprache sowie in einer weiteren Sprache der Welt eingraviert.

Die Straße der Menschenrechte in Nürnberg bei Nacht.
Die Straße der Menschenrechte in Nürnberg bei Nacht.

Geschaffen wurde das Werk vom israelischen Künstler Dani Karavan, die feierliche Eröffnung war 1993. Die Straße der Menschenrechte ist mehr als nur ein Mahnmal – sie ist ein bewusst gesetztes, dauerhaft sichtbares Statement für die Unantastbarkeit der Menschenwürde. Besonders in Nürnberg, der ehemaligen „Stadt der Reichsparteitage“ und der Stadt der Nürnberger Prozesse, bekommt dieses Denkmal eine tiefere Bedeutung: Es verbindet Vergangenheit, Verantwortung und Hoffnung in einem eindrucksvollen Symbol für Frieden und Toleranz.

Heute ist die Straße der Menschenrechte nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch ein Raum für Begegnung, Reflexion und Bildung. Sie steht still und doch spricht sie laut – für Freiheit, Gleichheit und Menschlichkeit.

Rund um den

⛵️ 5 – Dutzendteich

befinden sich Orte, die in Nürnbergs Geschichte negative Spuren hinterlassen haben.

Der Dutzendteich in Nürnberg, mit der Kongresshalle im Hintergrund.
Der Dutzendteich in Nürnberg, mit der Kongresshalle im Hintergrund.

Die Kongresshalle am Dutzendteich – Monument der Größenwahn-Ideologie und Mahnmal der Erinnerung

Die Kongresshalle am Dutzendteich ist das größte erhaltene nationalsozialistische Bauwerk Deutschlands – ein steinernes Zeugnis der NS-Diktatur, das bis heute durch seine schiere Größe und wuchtige Architektur beeindruckt und erschüttert zugleich. Zwischen 1935 und 1939 als Teil des gigantischen Reichsparteitagsgeländes geplant, sollte sie Platz für bis zu 50.000 Menschen bieten. Vollendet wurde das monumentale Bauwerk jedoch nie – der Zweite Weltkrieg stoppte den Bau, der bis heute unvollständig geblieben ist.

Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am Dutzendteich.
Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände am Dutzendteich.

Heute steht die Kongresshalle nicht für Glanz, sondern für Verantwortung und kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte. Im Nordflügel befindet sich seit 2001 das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, das mit seiner preisgekrönten Dauerausstellung „Faszination und Gewalt“ eindrücklich über die Ursachen, Zusammenhänge und Folgen der nationalsozialistischen Herrschaft informiert. Der moderne Glas-Stahl-Speer, der das Gebäude durchschneidet, symbolisiert im wahrsten Sinne des Wortes den Bruch mit der NS-Ideologie.

Die Kongresshalle ist heute ein Ort der Erinnerung, der Aufklärung und des Dialogs. Sie konfrontiert Besucherinnen und Besucher mit einer dunklen Vergangenheit – und regt zugleich dazu an, für Demokratie, Menschenrechte und Zivilcourage einzustehen.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Dutzendteichs ist das riesige

Das Reichsparteitagsgelände – Stein gewordene Ideologie und Mahnmal der Verantwortung

Das Reichsparteitagsgelände ist eines der zentralen Relikte nationalsozialistischer Architektur und Symbolpolitik. Auf einer Fläche von rund 11 Quadratkilometern planten die Nationalsozialisten ab 1933 ein gewaltiges Aufmarschareal für ihre jährlichen Parteitage – zur Inszenierung von Macht, Gehorsam und kollektiver Ergebenheit. Monumentalbauten wie das Zeppelinfeld, die Große Straße und die unvollendete Kongresshalle sollten die vermeintliche „Größe“ des Dritten Reiches in Stein meißeln.

Das Zeppelinfeld in Nürnberg.
Das Zeppelinfeld in Nürnberg, auch Reichsparteitagsgelände oder Aufmarschgelände genannt.

Während viele dieser Bauwerke nie fertiggestellt wurden, ist das Gelände bis heute weitgehend erhalten und wird bewusst als historischer Lernort genutzt. Es erinnert an die perfide Selbstdarstellung der NS-Diktatur und an die gefährliche Wirkung von Propaganda, Massensuggestion und totalitärer Ideologie.

Heutzutage findet jährlich das Musik-Ereignis „Rock im Park“ und das Autorennen „Rund um den Norisring“ auf dem Reichsparteitagsgelände statt.

Aus den 30er Jahren zurück in die Gegenwart.

⛲️ 6 – Das Ehekarusell – Ein kunstvoller Tanz der Liebe und des Lebens

ist ein umstrittenes Kunstobjekt in Nürnberg.

Direkt vor dem Weißen Turm in Nürnberg steht eines der ungewöhnlichsten und gleichzeitig ausdrucksstärksten Kunstwerke der Stadt: das Ehekarussell, offiziell Hans-Sachs-Brunnen. Der Bildhauer Jürgen Weber schuf diesen aufwändig gestalteten Brunnen 1984 – inspiriert von Hans Sachs’ Gedicht „Das bittersüße Eh’leben“.

Das Ehekarusell ist ein moderner Brunnen in der Innenstadt von Nürnberg.
Das Ehekarusell ist ein moderner Brunnen in der Innenstadt von Nürnberg.

In sechs plastisch überzeichneten Szenen erzählt das Ehekarussell vom Aufblühen der Liebe, vom Alltag zu zweit, von Leidenschaft, Streit, Verdruss – bis hin zu Alter und Tod. Mal humorvoll, mal derb, mal tief berührend zeigt der Brunnen, wie facettenreich und widersprüchlich die Institution Ehe sein kann.

Nicht ohne Grund sorgt das Ehekarussell bis heute für Diskussionen – es polarisiert, regt zum Nachdenken an und bleibt eines der originellsten Kunstwerke im öffentlichen Raum Nürnbergs. Nicht jeder Nürnberger ist von diesem kunstvollen Brunnen begeistert.

Kontrastreich gehen wir nun wieder ein paar hundert Jahre zurück in die Vergangenheit.

🏰 7 – Die Kaiserburg – Krone der Stadt und Symbol kaiserlicher Geschichte

Hoch über den roten Dächern der Altstadt thront sie majestätisch: die Kaiserburg Nürnberg, das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt und ein Stück lebendige Geschichte des Heiligen Römischen Reiches. Über Jahrhunderte war die Burg eine der wichtigsten Kaiserpfalzen – nahezu jeder römisch-deutsche König des Mittelalters residierte hier zumindest zeitweise.

Blick über die Nürnberger Altstadt zur Kaiserburg.
Blick über die Nürnberger Altstadt zur Kaiserburg.

Die eindrucksvolle Anlage vereint verschiedene Bauphasen: romanische Wohnbauten, gotische Türme, der tiefe Brunnen sowie das markante Sinwellturm-Panorama erzählen von Macht, Wehrhaftigkeit und höfischer Pracht. Besonders spannend ist der Gang durch die Kaiserkapelle und die historischen Kaiserzimmer, in denen einst die Geschicke des Reiches verhandelt wurden.

Die Kaiserburg in Nürnberg.
Die Kaiserburg in Nürnberg.

Heute ist die Kaiserburg nicht nur ein bedeutendes Baudenkmal, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel mit einem atemberaubenden Blick über die Altstadt. Das dazugehörige Museum beleuchtet die Rolle Nürnbergs im Mittelalter – als bedeutender Reichstagort, Zentrum des Handels und Hort politischer Entscheidungen.

Die Kaiserburg mit derm Burggarten in Nürnberg.
Die Kaiserburg mit derm Burggarten in Nürnberg.

Wer die Burg besucht, begegnet nicht nur Geschichte zum Anfassen – sondern auch dem Stolz meiner Stadt, die über Jahrhunderte im Zentrum europäischer Politik stand.

Die Kaiserburg in Nürnberg.
Die Kaiserburg in Nürnberg.

An der Grenze vom Zentrum zum Stadtteil Johannis befindet sich

🌉 8 – Der Kettensteg – Technikdenkmal & städtisches Juwel

Dort verbindet der Kettensteg die beiden Stadtteile St. Lorenz und St. Sebald

Auf den ersten Blick wirkt er fast unscheinbar – eine schmale Fußgängerbrücke, die sich zwischen Hallertor und Kreuzgasse über den Fluss spannt. Doch wer einen Moment stehen bleibt, merkt schnell: Diese Brücke ist ein echtes technisches Juwel. Der Kettensteg ist nicht nur die älteste erhaltene eiserne Hängebrücke auf dem europäischen Festland, sondern auch ein Denkmal der Frühindustrialisierung..

Der Kettensteg in Nürnberg.
Der Kettensteg in Nürnberg.

Errichtet wurde der Kettensteg im Jahr 1824. In nur vier Monaten entstand unter der Leitung des Ingenieurs Conrad Georg Kuppler eine völlig neuartige Konstruktion: Eine freischwebende Fußgängerbrücke, getragen von mächtigen Eisenketten – ohne Pfeiler im Wasser. Zwei Spannweiten von jeweils 33 Metern überbrücken das Pegnitzufer, verbunden durch 3 Meter lange Kettenglieder. Damals ein echtes Wagnis – und ein Meilenstein im Brückenbau.

Nach Jahrzehnten der Beanspruchung wurde der Steg im Jahr 2009 aus Sicherheitsgründen gesperrt. Es folgte eine aufwändige Sanierung, die nicht nur das ursprüngliche Erscheinungsbild wiederherstellte, sondern auch modernste Technik unauffällig integrierte. Ketten, Geländer und Widerlager wurden erneuert, und ein Stahl-Hohlkasten im Brückenboden sorgt seitdem für versteckte Stabilität. Die Wiedereröffnung fand am 22. Dezember 2010 statt – kurz vor seinem 186. Geburtstag. Seitdem ist der Kettensteg nicht nur wieder begehbar, sondern auch abends stilvoll beleuchtet – ein wahres Schmuckstück in der Altstadt.

In unmittelbarer Nähe des Kettenstegs befindet sich der

🏜️ 9 – Kaspar-Hauser-Platz – Wo Rätsel und Geschichte aufeinandertreffen

Mitten im charmanten Kreuzgassenviertel Nürnbergs, nordwestlich des historischen Unschlittplatzes, liegt der eher unscheinbare Kaspar‑Hauser‑Platz. Benannt 1989 nach dem rätselhaften Findling Kaspar Hauser, ist er ein stiller Zeuge einer Geschichte, die bis heute fasziniert und Touristen sowie Einheimische gleichermaßen in ihren Bann zieht.

Historie

Am 26. Mai 1828 tauchte Kaspar Hauser – ein etwa 16‑jähriger, in dunklen Verhältnissen aufgewachsener Junge – an der Ecke Unschlittplatz Nr. 8 auf, nur wenige Schritte vom heutigen Kaspar‑Hauser‑Platz entfernt. Er sagte seltsame Worte wie „Neue Torstraße“ und bat um Wasser und Brot. Zwei Nürnberger nahmen ihn zu sich, und so begann sein Abenteuer, das bald ganz Europa in Atem halten sollte.

Platz & Gestaltung

Der Platz selbst fungiert als kleines, verkehrsberuhigtes Pflasterareal – ideal für Fußgänger, gebaut als „Spielstraße“ mit charmanter Beleuchtung und typisch alter Pflasterung . Seine Lage direkt am Pegnitz‑Ufer, zwischen Unterer und Mittlerer Kreuzgasse, ist Teil eines modernen, postmodernen Konzepts: das Kreuzgassenviertel, das zwischen 1986 und 1992 entstand und platzsparend Zonen für Gemeinschaft, Hofe, Gassen und Flussraum verbindet. 

Erinnerung & Kunst

Am Unschlittplatz erinnert eine Gedenktafel am Haus Nr. 8 an den Findling. Außerdem hat die Künstlerin Sabine Richter ein eindrucksvolles Straßendenkmal gestaltet – ein 12 m langer Metallstreifen im Pflaster mit einem Gedicht von Ryszard Krynicki, zweisprachig auf Deutsch und Polnisch.

Der Kaspar-Hauser-Platz in Nürnberg.
Der Kaspar-Hauser-Platz in Nürnberg.

Bedeutung heute

Der Kaspar‑Hauser‑Platz ist kein belebter Marktplatz, sondern eine ruhige Gedenkstätte, eingebettet in ein modernes Quartier mit historischem Flair. Er lädt Besucher:innen dazu ein, kurz innezuhalten, die Geschichte zu spüren und anschließend weiter durch die Altstadt flanieren – zurück zum Kettensteg und entlang der Pegnitz.

Unser zehntes Highlight in Nürnberg ist

⛪️ 10 – Die Frauenkirche – Stein gewordene Geschichte über dem Hauptmarkt

Wer über den Nürnberger Hauptmarkt schlendert, kommt an ihr kaum vorbei: Majestätisch erhebt sich die Frauenkirche am östlichen Rand des Platzes – eine gotische Schönheit aus Backstein, die über die Jahrhunderte hinweg nichts von ihrer Wirkung verloren hat. Sie wirkt wie ein Wächter über dem geschäftigen Treiben, in dem sich Wochenmärkte, Stadtfeste und Weihnachtszauber abwechseln.

Erbaut wurde sie im 14. Jahrhundert im Auftrag von Kaiser Karl IV. – und zwar nicht zufällig genau hier. Denn wo heute die Kirche steht, befand sich zuvor die jüdische Synagoge, die im Zuge der Pogrome 1349 zerstört wurde. Der Bau war also auch ein machtpolitisches Signal: Die neu errichtete Frauenkirche sollte als Hofkapelle des Kaisers dienen und dem neu gestalteten Marktplatz ein würdiges Gesicht verleihen.

Der Hauptmarkt mit der Frauenkirche in Nürnbergs Zentrum.
Der Hauptmarkt mit der Frauenkirche in Nürnbergs Zentrum.

Auffällig ist die Architektur: eine sogenannte Hallenkirche, bei der das Haupt- und die Seitenschiffe gleich hoch sind – zur damaligen Zeit in Franken eine Seltenheit. Besonders ins Auge fällt der aufwendig gestaltete Westgiebel mit der berühmten astronomischen Uhr. Jeden Tag um Punkt 12 Uhr beginnt hier das „Männleinlaufen“: Sieben Kurfürsten ziehen feierlich an Kaiser Karl IV. vorbei – ein verspieltes Spektakel, das auf die Goldene Bulle von 1356 anspielt, eines der wichtigsten Reichsgesetze des Mittelalters.

Heute ist die Frauenkirche weit mehr als ein beeindruckendes Bauwerk. Sie ist fest im Stadtleben verankert. Zur Adventszeit steht sie im Mittelpunkt des weltberühmten Christkindlesmarkts, wenn das Nürnberger Christkind vom Balkon aus den Markt eröffnet. Und das Männleinlaufen zieht nach wie vor täglich Besucher an – eine liebenswerte Erinnerung daran, wie Technik, Geschichte und Theater einst zusammenfanden.

🏥 11 – Die Insel Schütt mit dem Heilig Geist Spital – Geschichten am Wasser

Wer in der Nürnberger Altstadt unterwegs ist, kommt früher oder später am Heilig-Geist-Spital vorbei – und bleibt meist unweigerlich stehen. Das Gebäude, das sich mit seinen Erkern und Brückenbögen direkt über die Pegnitz spannt, ist nicht nur ein Blickfang, sondern auch ein echtes Stück Stadtgeschichte.

Blick von der Museumsbrücke zum Heilig Geist Spital auf der Insel Schütt in Nürnberg.
Blick von der Museumsbrücke zum Heilig Geist Spital auf der Insel Schütt in Nürnberg.

Gegründet wurde das Spital im 14. Jahrhundert – eine Zeit, in der soziale Absicherung noch weitgehend vom guten Willen einzelner Bürger abhing. Der Kaufmann Konrad Groß war einer davon. Mit seiner Stiftung schuf er nicht nur ein Armenhaus, sondern ein regelrechtes Versorgungszentrum: Pflege, Unterkunft, medizinische Hilfe – alles unter einem Dach. Für die damalige Zeit eine riesige Einrichtung, fast ein kleines Dorf im Herzen der Stadt.

Die Architektur erzählt bis heute davon. Besonders auffällig ist der Gebäudeteil, der über dem Fluss zu schweben scheint – ein Ort, der fast wirkt, als wäre er einer alten Illustration entsprungen. Was viele nicht wissen: Dieser fotogene Teil des Spitals wurde erst im 16. Jahrhundert ergänzt. Und nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg hat man ihn mit viel Fingerspitzengefühl wieder aufgebaut – vielleicht nicht ganz originalgetreu, aber mit Respekt vor dem, was einmal war.

Der Nürnberger Sonnenuhrenweg Station 14 auf der Insel Schütt an der Pegnitz.
Nürnberger – die Insel Schütt.

Mit dem Heilig Geist Spital beginnt die Insel Schütt – ein ungewöhnlicher Name für ein ungewöhnliches Stück Stadt. Die Insel ist nicht natürlich entstanden, sondern wurde über Jahrhunderte hinweg durch Sandaufschüttungen geformt. Schon im Mittelalter war sie ein Ort für Märkte, Schausteller und sogar Ritterspiele. Später kam ein Fechthaus dazu, dann ein Volksbad – die Insel war lange Zeit so etwas wie das Freiluft-Wohnzimmer Nürnbergs.

Heute geht es dort deutlich ruhiger zu. Der vordere Teil ist grün, der hintere eher urban genutzt. Aber wer aufmerksam durch die Gegend spaziert, kann sich die alte Atmosphäre noch gut vorstellen – besonders im Sommer, wenn das Wasser glitzert und die Altstadthäuser ringsum wie Kulissen wirken.

Die Heubrücke in der Innenstadt von Nürnberg, kommend von der Insel Schütt.
Die Heubrücke in der Innenstadt von Nürnberg, kommend von der Insel Schütt.

Das Heilig-Geist-Spital selbst hat inzwischen eine ganz neue Rolle gefunden. Aus dem Armenhaus von einst ist eine moderne Seniorenwohnanlage geworden – mit Blick aufs Wasser, geschützten Innenhöfen und einer Gastronomie, die an die lange Tradition des Hauses anknüpft. Hier lässt sich in aller Ruhe einkehren, während draußen die Stadt weiterzieht.

Die Cinecitta-Brücke mit dem Weltherz für Liebesschlösser bei der Insel Schütt in Nürnberg.
Die Cinecitta-Brücke mit dem Weltherz für Liebesschlösser bei der Insel Schütt in Nürnberg.

🛠️ 12 – Der Handwerkerhof – Zeitreise ins Mittelalter

Mitten im Herzen der Nürnberger Altstadt, direkt am Königstor gegenüber dem Hauptbahnhof, befindet sich ein ganz besonderes Kleinod: der Handwerkerhof Nürnberg. Eingebettet in die historische Stadtmauer, versprüht dieser idyllische Innenhof den Charme vergangener Jahrhunderte und lädt Besucher zu einer Reise in die handwerkliche Vergangenheit Frankens ein.

Der Handwerkerhof wurde 1971 anlässlich des 500. Geburtstags von Albrecht Dürer eröffnet. In liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern präsentieren seither traditionelle Handwerksbetriebe ihr Können – ganz im Geiste des berühmten Nürnberger Künstlers. Ob Zinngießer, Goldschmied, Töpfer, Glasbläser oder Lederhandwerker: Hier kann man nicht nur hochwertige, handgefertigte Waren erwerben, sondern auch den Kunsthandwerkern direkt bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Der Handwerkerhof in Nürnberg ähnelt einem Mittelalterdorf mit Handwerksläden.
Der Handwerkerhof in Nürnberg ähnelt einem Mittelalterdorf mit Handwerksläden.

Besonders beliebt ist der Handwerkerhof auch wegen seines gastronomischen Angebots. In urigen Wirtsstuben und Biergärten werden fränkische Spezialitäten wie Bratwürste, Schäuferla und Nürnberger Bier serviert – ein kulinarischer Genuss in authentischem Ambiente. Vor allem in der Adventszeit, wenn der Hof stimmungsvoll beleuchtet ist und sich in einen kleinen Weihnachtsmarkt verwandelt, zieht er zahlreiche Besucher an.

Der Handwerkerhof Nürnberg ist ein Ort, an dem Tradition lebendig bleibt. Er bietet Einheimischen wie Touristen ein einzigartiges Erlebnis, das Handwerkskunst, Geschichte und die ureigene – manchmal etwas spezielle – Nürnberger Gastfreundschaft auf charmante Weise miteinander verbindet.

⛲️ 13 – Der Schöne Brunnen auf dem Hauptmarkt

Der Schöne Brunnen am Nürnberger Hauptmarkt zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt und ist ein Meisterwerk gotischer Baukunst. Mit seiner beeindruckenden Höhe von rund 19 Metern ragt er wie eine steinerne Kirchturmspitze aus dem Platz empor und zieht Besucher aus aller Welt in seinen Bann.

Erbaut wurde der Brunnen Ende des 14. Jahrhunderts, vermutlich nach Entwürfen des Baumeisters Heinrich Beheim. Ursprünglich diente er weniger der Wasserversorgung als vielmehr der Zierde – ein Symbol für die Blütezeit Nürnbergs im Spätmittelalter. Die reich verzierte, vielfarbige Pyramidenform ist mit 40 filigran gearbeiteten Figuren geschmückt, die ein Weltbild des Mittelalters widerspiegeln. Philosophen, Evangelisten, Kirchenväter, Kaiser und Propheten – sie alle sind Teil eines kunstvollen Figurensystems, das göttliche Ordnung und menschliches Wissen in Stein fasst.

Besonders beliebt bei Besuchern ist der goldene Messingring, der sich am schmiedeeisernen Gitter des Brunnens befindet. Einer Legende nach bringt es Glück, wenn man den Ring dreht – vor allem, wenn man sich dabei etwas wünscht. Viele Gäste (und auch Einheimische) nutzen diese Gelegenheit, sodass der Ring über die Jahre spiegelglatt geworden ist.

Der Schöne Brunnen ist nicht nur ein beeindruckendes Denkmal gotischer Kunst, sondern auch ein Ort der Mythen, Wünsche und Erinnerungen. Eingebettet in das lebendige Treiben des Hauptmarkts, direkt neben dem berühmten Christkindlesmarkt zur Adventszeit, gehört er zu den Highlights eines jeden Nürnberg-Besuchs.

🏃🏾‍♀️ 14 – Der „Riesenschritt“ – Ein stiller Pfad mit Charme

Der sogenannte „Riesenschritt“ in Nürnberg ist vielleicht kein Begriff, der jedem Besucher sofort ins Auge fällt – doch für viele Nürnberger ist er ein kleiner Geheimtipp mit besonderem Charme. Versteckt im Stadtteil St. Johannis, führt dieser historische Fußweg von der Hallerwiese hinauf in Richtung Johannisfriedhof. Gesäumt von alten Sandsteinmauern und eingebettet in ein Ensemble aus Fachwerkhäusern, kleinen Gärten und stillen Plätzen, wirkt der Weg fast wie aus der Zeit gefallen.

Der Riesenschritt im Stadtteil Johannis in Nürnberg.
Der „Riesenschritt“ im Stadtteil Johannis in Nürnberg.

Der Name „Riesenschritt“ klingt zunächst nach etwas Monumentalem, doch er ist eher ironisch zu verstehen: Es handelt sich um eine vergleichsweise kurze, steile Treppe – und gerade dieser humorvolle Name macht ihn so sympathisch. Oberhalb des Weges liegen die Hesperidengärten, Überbleibsel einstiger Patriziergärten, die heute als grüne Rückzugsorte mit romantischem Flair dienen. Drei schlichte Pforten öffnen den Zugang zu diesen Anlagen – ein idealer Ort für alle, die Nürnberg jenseits der üblichen Touristenrouten erleben möchten.

Der wunderschöne Stadtteil Johannis in Nürnberg.
Der wunderschöne Stadtteil Johannis in Nürnberg.

Als Nürnberger kann ich sagen: Der Riesenschritt ist kein großes touristisches Highlight – und genau das macht ihn so besonders. Er ist einer dieser Orte, an denen Geschichte und Alltag still ineinander übergehen. Ein kleiner Weg mit großer Atmosphäre – perfekt für einen ruhigen Spaziergang mit Blick auf das, was Nürnberg abseits der Postkartenmotive wirklich ausmacht.

Fazit

Als fast waschechter Nürnberger bin ich stolz auf „meine Stadt“ und deren Vielfalt und Geschichte. Die Kaiserburg ist für uns nicht nur ein Wahrzeichen, sondern auch ein fester Bestandteil unserer Identität – ein Ort, an dem Geschichte spürbar wird. Auch die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen, Fachwerkhäusern und dem Hauptmarkt ist für uns weit mehr als eine Touristenattraktion: Sie ist gelebter Alltag mit historischem Flair.

Doch Nürnberg hat mehr zu bieten als nur Mittelalterromantik: Museen wie das Neue Museum oder das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände erinnern uns daran, wie vielschichtig die Geschichte der Stadt ist – bis hin in die Moderne – mit all ihren Höhen und Tiefen.

Das Nassauerhaus samt Detail der Lorenzkirche in der Altstadt von Nürnberg.
Das Nassauerhaus samt Detail der Lorenzkirche in der Altstadt von Nürnberg.

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