Der Naturjuwel Haff Reimech an der deutsch-luxemburgischen Grenze
Das Haff Reimech bei Remerschen, im Südosten Luxemburgs direkt an der Mosel gelegen, ist eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete des Landes – und ein wahres Paradies für Vogelbeobachtung und Naturfotografen. Die einzigartige Mischung aus Wasserflächen, Schilfzonen, Wiesen und Wäldern bietet mehr als 250 Vogelarten einen idealen Lebensraum. Wer in Luxemburg seltene Wasservögel, durchziehende Limikolen oder farbenfrohe Eisvögel beobachten möchte, findet im Haff Réimech optimale Bedingungen – sowohl für entspannte Spaziergänge, ruhige Vogelbeobachtung als auch für professionelle Vogelfotografie.

Das Haff Réimech liegt in der Nähe von Schengen und grenzt unmittelbar an das deutsche Moselufer. Es entstand in den 1960er- und 70er-Jahren durch die Renaturierung ehemaliger Kiesgruben. Aus den einstigen Abbaustellen ist heute ein weitläufiges Mosaik aus Teichen, Kanälen, Röhricht und Auenwäldern geworden – ein Musterbeispiel für erfolgreichen ökologischen Umbau.
Besonders beeindruckend ist die Artenvielfalt auf kleinem Raum: Ob im Frühjahr zur Brutzeit, im Herbst während des Vogelzugs oder im Winter bei niedrigen Temperaturen – zu jeder Jahreszeit lassen sich hier spannende Beobachtungen machen.
Vogelarten im Haff Réimech
Im Haff Réimech können Naturliebhaber eine Vielzahl besonderer Vogelarten entdecken, die sich in ihren Lebensweisen und Erscheinungsbildern unterscheiden.
Zwergdommel und Rohrdommel – scheue Bewohner des Schilfs
Die Zwergdommel (Ixobrychus minutus) ist eine kleine, geheimnisvolle Reiherart, die sich in dichtem Schilf versteckt. Mit etwa 40 Zentimetern Körperlänge ist sie deutlich kleiner als ein Graureiher und besticht durch ihre gestreifte Flankenzeichnung und ihren kurzen Hals. Oft bleibt sie unbemerkt, da sie bei Störungen in das dichte Schilf flieht oder aber die Pfahlstellung einnimmt. Die Zwergdommel ist ein zuverlässiger Brutvogel in Haff Réimech – meist brüten dort mehrere Brutpaare.


Ähnlich zurückgezogen wie die Zwergdommel lebt die Rohrdommel (Botaurus stellaris). Diese Art ist größer und dicker als die Zwergdommel und ebenfalls sehr scheu. Die Rohrdommel war für uns im Haff Réimech bislang schwerer zu finden als die Zwergdommel – einmal hatten wir jedoch im tiefsten Winter das Glück, als sich eine Rohrdommel zum Überwintern dort aufhielt.

Schellente – Schönheit der Wintermonate
Die Schellente (Bucephala clangula) ist eine markante Entenart, die vor allem im Winter am Haff zu beobachten ist. Die Männchen fallen durch ihren schwarzen Kopf mit grünlich schimmerndem Scheitel und die auffällige weiße Backenzeichnung auf. Ein Schellenten-Männchen konnten wir leider nicht sehen, aber „unser“ Schellenten-Weibchen war auch ausgesprochen hübsch.

Schellenten bevorzugen offene Wasserflächen. Dort tauchen sie, um Kleintiere und Pflanzen zu fressen. In Luxemburg sind sie vor allem in den kalten Monaten präsent, wenn sie aus nördlichen Gefilden einwandern.
Haubentaucher und Zwergtaucher – Meister der Unterwasserjagd
Der Haubentaucher (Podiceps cristatus) ist der größte Taucher Europas und im Haff Réimech ein seltener Brutvogel. Sein auffälliges Federkleid mit schwarzen, weißen und rotbraunen Bereichen sowie die charakteristischen Federhauben sind unverkennbar. Haubentaucher jagen geschickt nach Fischen und Wasserinsekten.


Der Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis) hat eine kompakte Gestalt, ist mit etwa 25 Zentimetern deutlich kleiner als der Haubentaucher und trägt ein braunes bis rötliches Gefieder mit dunklem Rücken. Er bevorzugt dichte Ufervegetation, wo er auch brütet. Der Zwergtaucher, den wir im Haff Reimech antrafen, war sehr scheu, so dass wir ihn nur aus der Beobachtungshütte heraus sehen konnten.


Eisvogel – funkelnder Jäger am Wasser
Der Eisvogel (Alcedo atthis) ist einer der Star-Vögel des Haff Réimech. Mit seinem schillernden, türkisblauen Rücken und der orangeroten Brust ist er ein lebendiges Juwel am Wasser.

Der Eisvogel lebt vor allem an klaren Gewässern mit gutem Fischbestand und nutzt kleine Ansitze über dem Wasser, von denen er senkrecht ins Wasser eintaucht, um blitzschnell Fische zu erbeuten.


Wer frühmorgens oder am späten Nachmittag aufmerksam ist, hat gute Chancen, ihn an den Beobachtungshütten zu entdecken.
Graugans und Kanadagans – häufige Großgänse im Gebiet
Die Graugans (Anser anser) ist eine der häufigsten Gänsearten in Luxemburg und kommt am Haff Réimech ganzjährig vor. Sie bevorzugt feuchte Wiesen und Gewässerufer, wo sie Nahrung wie Gräser und Wasserpflanzen findet.

Die Kanadagans (Branta canadensis), ursprünglich aus Nordamerika stammend, hat sich in Luxemburg etabliert und ist ebenfalls häufig zu beobachten. Sie unterscheidet sich durch ihr schwarz-weißes Kopf- und Halsmuster und ist besonders auf offenen Wasserflächen und Rasenflächen präsent.

Schwarzstorch – ein eleganter Vertreter aus der Storchenwelt
Der Schwarzstorch (Ciconia nigra) ist ein scheuer und beeindruckender Vogel, der mit seiner eleganten Gestalt und dem kontrastreichen Gefieder auffällt. Mit einer Körpergröße von etwa einem Meter ist er deutlich größer als der bekannte Weißstorch. Sein glänzendes schwarzes Gefieder mit grünlich-violettem Schimmer, der weiße Bauch und der leuchtend rote Schnabel machen ihn unverwechselbar. Schwarzstörche bevorzugen ruhige, waldreiche Gebiete mit Gewässern, wo sie auch brüten.

Faszinierend war eine Auseinandersetzung zwischen einem Graureiher und einem Schwarzstorch, die wir beobachten konnten. Ein paar Sekunden dachte der Graureiher, er könne sein Revier gegen den Schwarzstorch verteidigen – recht schnell zog er aber den Kürzeren und zog ab.

Bekassine – ein unscheinbarer Watvogel
Die Bekassine (Gallinago gallinago) ist ein eher unscheinbarer, aber dennoch faszinierender Watvogel. Mit ihrer gedrungenen Gestalt, den braun gemusterten Federn und dem auffällig langen, geraden Schnabel ist sie gut an das Leben im feuchten Lebensraum angepasst.

Bekassinen bewohnen vor allem moorige Wiesen, Sümpfe und Schilfgebiete, wo sie gut getarnt nach Insekten und Würmern stochern.
Leider konnten wir erst einmal Bekassinen im Haff Reimech finden.
Löffler – eine Rarität auf dem Durchzug
Der Löffler (Platalea leucorodia) ist ein eleganter, weiß gefiederter Großvogel, der durch seinen langen, löffelartig abgeflachten Schnabel auffällt. Mit einer Körpergröße von etwa 80 Zentimetern und seinem anmutigen Flugbild wirkt er sehr majestätisch. Löffler bevorzugen flache Gewässer mit Schilfrändern, wo sie mit seitlich pendelnden Kopfbewegungen im seichten Wasser nach kleinen Fischen, Insektenlarven und Krebstieren suchen.

Die Exemplare, die wir im Haff Reimech beobachten konnten, hielten sich, während des Herbstzuges, in einer seichten Uferzone auf und durchkämmten das Wasser in ruhiger, fast rhythmischer Bewegung um sich für den weiten Flug in den Süden vorzubereiten.
Kuckuck – sehr oft zu hören, fast nie zu sehen
Der Kuckuck (Cuculus canorus) ist ein schlanker, taubengroßer Vogel mit grauem, manchmal auch bräunlichem Gefieder, heller, fein gebänderter Unterseite und einem langen, abgerundeten Schwanz. Sein Ruf – das bekannte „Kuckuck“ – ist im Frühling weithin zu hören und verrät seine Anwesenheit oft schneller als ein Blick.

Kuckucke sind Zugvögel und kehren im April aus ihren Überwinterungsgebieten in Afrika zurück. Statt selbst ein Nest zu bauen, legen sie ihre Eier in die Nester anderer Vogelarten, etwa von Rohrammern oder Teich-/Drosselrohrsängern.

Einmal konnten wir im Haff Remich einen jungen Kuckuck beobachten, als er gerade von seinem Wirtsvogel gefüttert wurde. Wenn man sieht, wie groß das Kuckucksbaby im Vergleich zum kleinen Wirtsvogel ist, können einem die „Stiefeleltern“ wirklich nur noch Leid tun.

Wasserralle
Die Wasserralle (Rallus aquaticus) ist ein heimlicher Vogel aus der Familie der Rallen. Mit ihrer gestreckten Körperform, dem langen, leicht gebogenen roten Schnabel und dem grau-braun gemusterten Gefieder ist sie gut an das Leben im dichten Schilf angepasst.

Charakteristisch sind die schwarz-weiß gebänderten Flanken, die beim schnellen Laufen oft auffallen. Die Wasserralle lebt zurückgezogen in sumpfigen Uferzonen, wo sie zwischen Schilf und Röhricht nach Insekten, Würmern und kleinen Wirbeltieren sucht. Wenn man aber weiß, wo sie sich aufhält, sieht man sie hin und wieder auch.

Knäkenten, Reiherenten und Löffelenten – Durchzügler im Haff
Knäkente (Anas querquedula)
Die Knäkente ist eine mittelgroße, zierliche Schwimmente mit auffallendem weißen Überaugenstreif beim Männchen. Sie bevorzugt flache, vegetationsreiche Gewässer. Am Haff Reimech konnten wir ein Paar in Ufernähe beobachten – ruhig schwimmend und gut getarnt im Schilf. Ihr Aufenthalt ist meist nur im Frühjahr zu beobachten, da sie bei uns nur rastet.

Reiherente (Aythya fuligula)
Die Reiherente ist eine häufige Tauchente, gut zu erkennen am gelben Auge und beim Männchen am schwarzen Gefieder mit auffälliger Federholle. Sie taucht nach Muscheln und Insektenlarven und ist das ganze Jahr über an tieferen Seen und Teichen zu finden. Im Haff Reimech war sie zahlreich vertreten und ließ sich gut beobachten.

Reiherenten sind tatsächlich unsere unumstrittenen Favoriten in der Entenwelt.
Löffelente (Anas clypeata)
Die Löffelente fällt durch ihren breiten, spatelförmigen Schnabel auf, mit dem sie Kleinstlebewesen aus dem Wasser filtert. Das Männchen zeigt im Prachtkleid eine auffällig kontrastreiche Färbung. In den flachen Bereichen des Haff Reimech war sie beim „löffelnden“ Gründeln gut zu erkennen.

Beobachtungshütten und Holzstege: perfekte Infrastruktur im Haff Reimech
Ein großer Vorteil des Haff Réimech ist die hervorragende Besucherinfrastruktur. Mehrere gut ausgebaute Beobachtungshütten (sogenannte „Hides“) sowie lange Holzstege und Palisadenwände ermöglichen ungestörte Einblicke in sensible Bereiche der Feuchtgebiete – ohne die Tiere zu stören.

Diese Verstecke sind ideal für Vogelfotografen, da sie sich auf Augenhöhe mit den Vögeln befinden und mit etwas Geduld spektakuläre Motive liefern: von balzenden Haubentauchern über fliegende Graureiher bis hin zum schillernden Eisvogel, der blitzschnell über das Wasser jagt.
Ein Rundweg verbindet die Beobachtungspunkte miteinander und ist auch für Familien oder weniger geübte Wanderer problemlos begehbar. Viele Hinweistafeln und Infopunkte machen das Naturerlebnis auch pädagogisch wertvoll.
Ein Hotspot für Zugvögel und Raritäten
Dank seiner Lage im Moseltal ist das Haff Réimech ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel.
Besonders im Frühjahr und Herbst lassen sich zahlreiche Limikolen, wie Grünschenkel, Bruchwasserläufer oder Bekassinen, beobachten. Auch verschiedene Entenarten wie Reiherenten, Löffelenten oder Knäkenten machen hier Station.
Im Sommer brüten Wasservögel, wie zum Beispiel Zwergtaucher, Teichhühner, Blässhühner und Schwarzhalstaucher, in den ruhigeren Zonen. Auch Sumpfrohrsänger, Drosselrohrsänger und Beutelmeisen nutzen das dichte Schilf als Brutplatz. Mit viel Glück lassen sich sogar Rohrdommeln oder Nachtreiher entdecken.
Für Greifvogel-Freunde bietet das Gebiet ebenfalls spannende Sichtungen: Rohrweihen, Turmfalken, Mäusebussarde und gelegentlich auch Seeadler ziehen über das Gebiet.
Biodiversität erleben im Biodiversum
Direkt am Rand des Schutzgebiets befindet sich das Biodiversum – Naturzentrum Haff Réimech, ein modernes Besucherzentrum mit interaktiver Ausstellung zur lokalen Tier- und Pflanzenwelt. Hier erfährt man nicht nur Spannendes über das Haff selbst, sondern auch über die Entwicklung der luxemburgischen Landschaft und den Wert der biologischen Vielfalt. Die futuristische Architektur in Schilfform ist dabei ein echter Hingucker.
Tipps für Vogelbeobachtung und Fotografie im Haff Réimech
- Beste Besuchszeit: Frühling (April–Juni) und Herbst (September–Oktober) für Zugvögel; Winter für überwinternde Enten und Gänse.
- Ausrüstung: Fernglas oder Spektiv; Teleobjektiv (300 mm+); Kleidung mit Naturfarben ist empfehlenswert, ruhiges Verhalten ist ein Muss.
- Früh starten: In den frühen Morgenstunden ist das Licht weich und die Tiere sind besonders aktiv.
- Respekt vor der Natur: Die Wege nicht verlassen, nicht durch das Schilf laufen, auf leise Bewegungen achten.
Fazit: Haff Réimech – Ein Paradies für Naturliebhaber und Fotografen
Ob ambitionierter Vogelfotograf, entspannter Naturspaziergänger oder Familienausflügler – das Haff Réimech bietet eine einzigartige Kombination aus biologischer Vielfalt, landschaftlicher Schönheit und hervorragender Beobachtungsinfrastruktur. Wer einmal die Stille einer Beobachtungshütte erlebt hat, während ein Eisvogel direkt vor der Linse landet oder eine Rohrweihe über das Schilf streicht, wird diesen Ort nicht mehr vergessen.
Weitere Berichte und Bilder über Vögel, wie den Wiedehopf und Bartmeisen, könnt Ihr hier finden.
































































