Der Eisvogel
gehört für uns zu den faszinierendsten Vögeln der Erde. Mit seinen schillernden Farben, seinem geradlinigen Flug knapp über der Wasseroberfläche und seiner präzisen Jagdtechnik ist er nicht nur bei Vogelbeobachtern wie uns beliebt, sondern er ist auch ein wertvoller Indikator für gesunde Ökosysteme. Weltweit gibt es über 90 Arten von Eisvögeln, die sich in Größe, Färbung und Lebensraum stark unterscheiden. In diesem Beitrag werfen wir einen genaueren Blick auf zehn besonders auffällige Vertreter dieser Familie.
10 verschiedene Arten von Eisvögeln
Der wohl bekannteste Eisvogel Mitteleuropas ist der
Gemeine Eisvogel (Common Kingfisher, Alcedo atthis)

Er ist mit seinem leuchtend blauen Gefieder und der orangefarbenen Brust ein echter Blickfang an sauberen Flüssen und Seen.
Dieser etwa 16 bis 17 Zentimeter große Vogel lebt bevorzugt an Gewässern mit steilen Uferböschungen, wo er seine Brutröhren in den Boden gräbt. Seine Nahrung besteht überwiegend aus kleinen Fischen und Wasserinsekten, die er mit einem präzisen Sturzflug aus dem Wasser holt. Der Gemeine Eisvogel ist in Europa, Nordafrika und Asien weit verbreitet und gilt als Symbol für naturnahe und intakte Flusslandschaften.
Unsere Begegnungen mit dem Gemeinen Eisvogel
Die schönsten, längsten und unvergesslichsten Beobachtungen des Gemeinen Eisvogels hatten wir am Ökosee in Dillingen im Saarland und im Haff Réimech in Luxemburg.

So konnten wir die Eisvögel zum Beispiel bei der Fütterung der Jungtiere beobachten.

Unterscheidungsmerkmale bei Eisvögeln
Männlicher Gemeiner Eisvogel
- Schnabel: Ganz schwarz
- Gefieder: Kräftig und glänzend, vor allem das Blau auf dem Rücken und den Flügeln ist intensiv
- Brust: Einfarbig orange
- Füße: Leuchtend rot-orange

Weiblicher Gemeiner Eisvogel
- Schnabel: Zweifarbig – oberer Teil schwarz, unterer Teil rötlich-orange
- Gefieder: Ähnlich wie beim Männchen, teils etwas weniger glänzend
- Brust: Ebenfalls orangefarben
- Füße: Leuchtend rot-orange

➡️ Merksatz: „Die Dame trägt Lippenstift“ – der rötlich gefärbte Unterschnabel ist das auffälligste Merkmal des Weibchens.
Junger Gemeiner Eisvogel
- Schnabel: Dunkel mit oft heller Basis
- Gefieder: Weniger glänzend, mit einem grünlich-blauen Schimmer
- Brust: Etwas blasser als bei Altvögeln
- Füße: Dunkelorange bis braun, meist matter gefärbt als bei erwachsenen Tieren
Ein ganz anderer Vertreter in der Welt der Eisvögel ist der
Graufischer (Pied Kingfisher, Ceryle rudis)
der vor allem in Afrika und Teilen Asiens zu finden ist. Er unterscheidet sich optisch deutlich von seinen Verwandten: Sein schwarz-weißes Gefieder ist auffällig kontrastreich, und er besitzt eine markante Federhaube. Eine Besonderheit dieser Art ist ihre Fähigkeit zum Rüttelflug – der Graufischer kann auf der Stelle in der Luft „stehen“, um gezielt Fische unter der Wasseroberfläche auszumachen. Mit etwa 25 Zentimetern Körperlänge gehört er zu den mittelgroßen Eisvögeln.



In tropischen Küstenregionen von Südostasien bis Australien lebt der
Halsband-Eisvogel (Collared Kingfisher, Todiramphus chloris)
Er trägt ein türkisblaues Gefieder mit einer weißen Halskrause, was ihm seinen deutschen Namen eingebracht hat. Anders als viele andere Eisvögel meidet er salzhaltige Gewässer nicht – ganz im Gegenteil: Mangroven, Meeresküsten und sogar vorgelagerte Inseln gehören zu seinem bevorzugten Lebensraum. Er ernährt sich weniger von Fischen, sondern häufiger von kleinen Krabben, Insekten und gelegentlich Reptilien.

Diesen seltenen Eisvogel konnten wir bislang erst einmal sehen. Umso mehr haben wir uns gefreut, dass er uns die Chance für genau dieses eine Bild bot.
Ebenfalls in Asien heimisch ist der
Schwarzhauben-Eisvogel (Black-capped Kingfisher, Halcyon pileata)
Er ist ein farbenprächtiger Vogel mit tiefblauem Rücken, weißer Brust, schwarzem Kopf und leuchtend rotem Schnabel. Mit bis zu 28 Zentimetern Körperlänge ist er ein stattlicher Vertreter seiner Art. Er ist meist in Mangroven, an Flussmündungen und in feuchten Waldrändern anzutreffen, wo er sich auf erhöhte Ansitze zurückzieht, um Beute wie Fische, Frösche oder Insekten zu erspähen.

Analog dem Halsband-Eisvogel konnten wir auch den Schwarzhauben-Eisvogel bislang erst einmal sehen. Die Mangrovenlandschaft bei der Zuari Brücke in Goa in Indien bietet hervorragende Möglichkeiten für eine Sichtung.
Zu den größten Eisvögeln gehört der
Storchschnabel-Eisvogel (Stork-billed Kingfisher, Pelargopsis capensis)
der vor allem in Süd- und Südostasien verbreitet ist. Er trägt seinen Namen aufgrund seines übergroßen, auffällig roten Schnabels, der an den eines Storches erinnert. Sein Gefieder ist eine bunte Mischung aus Blau, Gelb und Braun. Mit bis zu 35 Zentimetern Körperlänge wirkt er besonders eindrucksvoll. Diese Art ist scheu und bevorzugt ruhige Uferbereiche, wo sie Jagd auf Fische, Frösche und kleine Reptilien macht.

Oft konnten wir in Asien den Storchschnabel-Eisvogel in der Ferne sehen – sobald wir näher kamen verschwand er immer sehr schnell. Das Fotografieren dieses tollen Vogels war für uns eine riesige Herausforderung.
Deutlich kleiner, aber nicht weniger auffällig ist der
Malachiteisvogel (Malachite Kingfisher, Corythornis cristatus)
Mit nur etwa 13 Zentimetern Länge gehört er zu den kleinsten Eisvögeln – zweifelsohne gehört er auch zu den Schönsten.

Sein metallisch-blaues Gefieder, kombiniert mit einer orangefarbenen Unterseite, macht ihn zu einem der schönsten Vögel Afrikas generell.
Er lebt bevorzugt an ruhigen Süßwasserstellen wie Teichen, Sümpfen und kleinen Flüssen in Afrika südlich der Sahara. Auch er jagt kleine Fische, Kaulquappen und Wasserinsekten.

Wir konnten „unsere“ ersten Malachit-Eisvögel auf einer unbeschreiblich tollen Bootsfahrt auf dem Kazinga-Kanal im Queen-Elisabeth-Nationalpark in Uganda sehen. Nicht nur wegen der Malachit-Eisvögel ist diese Bootsfahrt unbedingt zu empfehlen, wenn man in Uganda ist.
Der
Amazonasfischer (Amazon Kingfisher, Chloroceryle amazona)
ist nicht nur, wie der Name vermuten lässt, am Amazonas zu finden, sondern auch im Pantanal, wo wir diesen hübschen Eisvogel mehrfach sehen konnten.

Der Amazonasfischer ist eine auffällige Eisvogelart, die in Mittel- und Südamerika weit verbreitet ist – sein Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Mexiko über das Amazonasbecken bis nach Nordargentinien. Mit einer Körperlänge von etwa 29 Zentimetern ist er der zweitgrößte Vertreter der Gattung Chloroceryle, nur übertroffen vom Rieseneisvogel. Sein Gefieder ist auffallend grün auf dem Rücken und den Flügeln, während Männchen eine kräftig rostrote Brust zeigen. Weibchen besitzen meist ein zweigeteiltes Brustband: grün oberhalb, weiß darunter.
Der Amazonasfischer bewohnt Flüsse, Seen, Sümpfe und Mangroven in Tieflandwäldern – bevorzugt langsam fließende oder stehende Gewässer mit reicher Ufervegetation – wie zum Beispiel das Pantanal, in dem wir den Amazonasfischer sehen konnten.
Ebenso im Pantanal lebt der
Erzfischer (American Pygmy Kingfisher, Chloroceryle aenea)
Der Erzfischer ist der kleinste Vertreter der Eisvögel in Amerika und kommt von Südmexiko bis in das mittlere Südamerika vor. Insbesondere in feuchten, tropischen Lebensräumen wie Mangroven, Waldbächen, Flussufern und Sümpfen kann man diesen hübschen Vogel finden. Er erreicht nur etwa 13 Zentimeter Körperlänge und fällt durch seine kompakten Proportionen und das leuchtend grün-metallisch schimmernde Gefieder auf. Männchen besitzen eine auffällige, rostrote Brust, während Weibchen etwas matter gefärbt sind und meist eine weißliche Brust mit grünen Flecken zeigen.

Wie alle Eisvögel ist auch der Erzfischer auf fischreiche Gewässer angewiesen. Er jagt bevorzugt kleine Fische und Wasserinsekten, die er von niedrigen Ästen über dem Wasser erspäht und blitzschnell erbeutet. Seine Jagdtechnik ist dabei typisch für Eisvögel: Der Vogel sitzt bewegungslos, beobachtet das Wasser und stürzt sich dann mit hoher Präzision auf seine Beute.
Obwohl er in seinem Verbreitungsgebiet relativ weit verbreitet ist, ist der Erzfischer aufgrund seiner versteckten Lebensweise schwer zu beobachten. Er gilt jedoch derzeit als nicht gefährdet. Sein Name „Erzfischer“ leitet sich vermutlich vom metallisch-glänzenden Gefieder ab, das an das Schimmern von Erz erinnert.
Wir konnten „unseren“ Erzfischer im Pantanal in Brasilien finden, als wir auf Jaguar-Safari waren.
Der dritte Vertreter der Eisvögel im Pantanal ist der
Grünfischer (American Green Kingfisher, Chloroceryle americana)
Der Grünfischer ist eine mittelgroße Eisvogelart der Neuen Welt und gehört zur Familie der Alcedinidae. Er ist weit verbreitet – sein Lebensraum erstreckt sich vom Süden der USA über Mittelamerika bis weit nach Südamerika. Mit einer Körperlänge von etwa 20 bis 23 Zentimetern ist er größer als der Erzfischer, aber deutlich kleiner als der Amazonasfischer.

Sein Gefieder ist auf der Oberseite dunkelgrün mit metallischem Schimmer, wovon sich auch sein deutscher Name ableitet.
Zu guter Letzt darf der
Weißkehl-Eisvogel (White-throated Kingfisher, Halcyon smyrnensis)
nicht fehlen. Dieser farbenfrohe Vogel ist weit verbreitet in Indien, Südostasien und bis hinein in den Nahen Osten. Zum Fotografieren ist er ein dankbarer Vogel, da er wenig scheu ist und sehr häufig vorkommt.


Sein markantes Erscheinungsbild mit brauner Brust, weißer Kehle, leuchtend blauem Rücken und rotem Schnabel macht ihn unverkennbar. Anders als viele seiner Verwandten ist er kein reiner Fischjäger. Er ernährt sich auch von Insekten, Fröschen, kleinen Eidechsen und sogar Kleinsäugern. Der Weißkehl-Eisvogel lebt in sehr unterschiedlichen Lebensräumen – von Reisfeldern über Gärten bis hin zu Waldrändern und sogar städtischen Gebieten.
Fazit:
Die Vielfalt der Eisvögel entdecken
Eisvögel zeigen eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit an verschiedene Umweltbedingungen – vom Mangrovenwald bis zur Gebirgsquelle, von tropischen Küsten bis zu mitteleuropäischen Flusstälern. Ihre bunte Vielfalt ist nicht nur ein Fest für die Augen, sondern auch ein Zeichen für die biologische Vielfalt unserer Erde. Wer einen Eisvogel beobachtet, erlebt Natur in ihrer schönsten und buntesten Form.
Unter Tierwelten könnt Ihr noch mehrere Berichte zu verschiedenen Tierarten auf dieser Seite finden.




























