Der Kanha Nationalpark in Madhya Pradesh, Indien, ist eines der beeindruckendsten Wildschutzgebiete Asiens. Besonders im Dezember, wenn das Klima angenehm kühl ist, lohnt sich eine Reise in dieses Naturparadies. Eingebettet in die grünen Salwälder des Bundesstaates Madhya Pradesh, bietet der 940 km2 große Park nicht nur spektakuläre Landschaften, sondern auch die Chance auf unvergessliche Tierbegegnungen – von Bengaltigern über Leoparden bis zu Gaure und Barasinghas.

Der Kanha-Nationalpark ist in mehrere Zonen unterteilt, die sich in ihrer Attraktivität für Safaris und Wildtierbeobachtungen unterscheiden. Zu den Hauptzonen gehören Kanha, Mukki, Kiels und Sarai, die als Kernzonen (Core Zones) gelten. Daneben gibt es Pufferzonen (Buffer Zonen) um den Park, die ebenfalls für Safaris genutzt werden können. Wer Tiger beobachten möchte, sollte sich auf – dies sagt zumindest unsere Erfahrung – die Zonen Kanha und Mukki konzentrieren. Für eine vielfältige Naturerfahrung mit guter Chance auf Wildtiere ist Kisli eine gute Wahl. Unsere 8 Safaris (5 x am Morgen und 3 x am Nachmittag) haben wir generell in der Kernzone durchgeführt.

Trotz der Anwesenheit von Raubtieren ist eine Safari im Kanha Nationalpark nicht gefährlich, sofern man sich an die Regeln hält. Die Fahrten finden in offenen Jeeps mit erfahrenen Rangern und Naturführern statt. Aussteigen ist strengstens verboten, und Tiere werden mit Respekt und aus sicherer Entfernung beobachtet. Die Sicherheitsstandards sind hoch – selbst Familien mit Kindern genießen hier problemlos ihre Safari.
Kanha und das Dschungelbuch – Was hat Rudyard Kipling damit zu tun?
Viele Besucher des Kanha Nationalparks fragen sich: Ist das hier der echte Dschungel aus Rudyard Kiplings berühmtem Buch? Die Antwort ist: nicht ganz – aber fast. Rudyard Kipling schrieb Das Dschungelbuch (The Jungle Book) im Jahr 1894, und obwohl er nie ausdrücklich den Kanha Nationalpark erwähnt, lassen sich viele Parallelen ziehen.
Kipling ließ sich allgemein von der wilden Natur Zentralindiens inspirieren – besonders von den Regionen im heutigen Madhya Pradesh und Seoni-Distrikt, die direkt an das heutige Kanha Tiger Reserve angrenzen. Kanha, mit seinen dichten Wäldern, offenen Graslandschaften, Tigern, Wölfen, Bären und Affen, ähnelt stark der Kulisse, die Kipling in seinem Buch beschreibt. Viele glauben daher, dass Kanha eines der Vorbilder für den fiktiven „Seeonee-Dschungel“ war, in dem Mogli mit seinen tierischen Gefährten lebt.
Warum wir im Dezember in den Kanha Nationalpark reisten?
Wir hatten den Jahreswechsel zugegebener Weise als Reisezeit gewählt, da wir für 2 Wochen Urlaub nur 5 Urlaubstage benötigt haben. Darüberhinaus bot uns der Kanha Nationalpark im Dezember jedoch mit Temperaturen zwischen 10 und 25°C ein angenehmes Reisewetter, das nicht zu kühl war und uns klare Tage mit guter Sicht bescherte. Unser Guide sagte uns, dass es gerade im Dezember bei den Safaris am frühen Morgen, mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, teils auch richtig kalt sein könne – derart niedrige Temperaturen blieben uns zum Glück erspart.

Der Dezember hat als Reisemonat für Kanha ferner den Vorteil, dass viele Vögel noch im Winterquartier dort zu finden sind und auch die Chance auf Tigersichtungen mehr und mehr zunimmt. Wer ausschließlich wegen der Tiger nach Kanha kommt, sollte seinen Aufenthalt besser in die Monate März bis Mai legen, wenn es zwar unerträglich heiß werden kann, die Tiger sich aber vermehrt an den Wasserlöchern aufhalten.
🐾 Unsere erlebte Tierwelt im Kanha Nationalpark
🐯 Bengaltiger – Der König des Dschungels
Der Bengaltiger, auch Königstiger oder indischer Tiger genannt, ist der Star im Kanha Nationalpark. Aktuellen Schätzungen zufolge leben etwa 80 bis 100 Tiger im gesamten Kanha Tiger Reserve. Die genauen Zahlen schwanken je nach Jahr und Quelle, doch Kanha zählt zu den Kernzonen des „Project Tiger“, Indiens ehrgeizigem Schutzprogramm für die Großkatzen.

Wir hatten während 8 Safaris 2x das Glück Tiger sehen zu können. Das erste Mal dauerte die Sichtung nicht mehr als 1 Minute: der Tiger kam aus dem Dickicht auf die Straße, um gleich wieder im Dickicht zu verschwinden. Dabei kam er aber so nah an unserem Jeep vorbei, dass das 600er Objektiv eine schlechte Wahl war. Mehr als der Kopf passte nicht aufs Bild.
Ab diesem Moment hatte ich nur noch das 200er Objektiv genutzt.

Beim zweiten Mal hatten wir schon etwas mehr Glück. Diesmal lag der Tiger unweit links der Straße am Waldrand. Nach wenigen Minuten kreuzte er unseren Weg – unmittelbar vor unserem Jeep – um dann das Weite zu suchen.
Was für ein Gänsehautmoment.

Unsere beiden Tiger-Sichtungen waren, nach zehn erfolglosen Safaris zwei Jahre vorher im Ranthambore Nationalpark, jedoch hart erkämpft. Denn auch im Kanha Nationalpark hatten wir vor unserer ersten Sichtung bereits fünf Safaris, in denen wir tolles Wildlife sehen konnten, aber keinen Tiger. Unser genialer Naturalist Akhil, der uns auf allen Safaris begleitete, beschloss dann immer gegen den Strom zu fahren. Diese Taktik brachte schließlich den erhofften Erfolg. Tausend Dank an Akhil!

🐆 Leopard – Der stille Jäger auf leisen Pfoten
Die Statistik besagt, dass man vier Tiger gesehen haben muss um einen Leoparden zu sehen – so sagt zumindest Akhil. Rein mathematisch bedeutet dies, dass wir eigentlich keinen Leoparden gesehen haben sollten.

Welch ein Glück, dass eine Statistik nicht immer richtig sein muss. Denn bereits vor unserer ersten Tigersichtung hatte wir zwei Leoparden gesehen – an einem Tag während einer Safari. Eigentlich unmöglich – sagt Akhil.
Bei diesen beiden Sichtungen war Akhils Gespür für die Natur unerlässlich. Ein Warnruf (alarm call) eines Hirschs ließ ihn vermuten, dass ein Raubtier in der Nähe sein könnte oder müsste. Er stoppte den Jeep und ließ uns warten – und tatsächlich kam jeweils wenige Minuten später ein Leopard aus dem Wald.

Für mich, Ralph, sind die Tiger das Nonplusultra bei einer Safari in Indiens Nationalparks, aber Dagmar war mehr von der Eleganz der Leoparden begeistert.
🐃 Gaur – Das größte Wildrind der Welt
Der Gaur (Bos gaurus), auch bekannt als indischer Bison, ist das größte heute lebende Wildrind der Erde – ein faszinierendes und oft unterschätztes Tier, das in den tropischen Wäldern Süd- und Südostasiens lebt. Für uns als Naturliebhaber war es ein unvergessliches Erlebnis Gaur in freier Natur zu erleben.

Der Gaur ist nicht nur groß (2,20 Meter Schulterhöhe), sondern – bei einem Gewicht bis zu 1,5 Tonnen – auch kraftvoll gebaut, mit einem markanten Buckel über den Schultern, glänzend dunkelbraunem bis fast schwarzem Fell und auffälligen weißen „Strümpfen“ an den Beinen. Seine gebogenen Hörner machen ihn zu einer imposanten Erscheinung – aber trotz seiner Größe ist er scheu und meidet den Menschen, wo immer es geht.
🐕 Indischer Wildhund – Der clevere Teamjäger
Dagmar und ich freuten uns wie verrückt über Tiger und Leopard – unser Guide Akhil war überglücklich als er einen jagenden Wildhund (Dhole) für uns entdeckte.

Eigentlich jagen Wildhunde im Rudel und hetzen ihre Beute bis zur Erschöpfung. „Unser“ Wildhund war – warum auch immer – alleine unterwegs. Wie auch immer: die Chance einen Wildhund im Kanha Nationalpark zu entdecken ist angeblich bei fast Null.
🦌 Barasingha – Der seltene Sumpfhirsch von Kanha
Kanha ist das einzige Schutzgebiet mit freilebenden Barasinghas. Die Art war fast ausgestorben – heute ist sie das Wahrzeichen des Parks.

Der Barasingha (Rucervus duvaucelii), auch als Sumpfhirsch bekannt, ist eines der majestätischsten Wildtiere Indiens. Mit seinem auffälligen Geweih, das bis zu zwölf Enden haben kann, ist der Barasingha nicht nur ein Symbol für Stärke, sondern auch ein Paradebeispiel erfolgreicher Artenschutzmaßnahmen.
🦌 Axishirsch und Sambhar – Gefleckte Herdentiere und Einzelgänger


Der Kanha Nationalpark hatte noch viel mehr zu bieten, so dass man gar nicht auf alles eingehen kann. Die nachfolgenden Bilder sollen Euch einen Eindruck hiervon geben.
🚙 Unsere Infos und Tipps für deine Safari im Kanha Nationalpark
- Safari-Zeiten: 6:30–11:00 Uhr & 15:00–17:30 Uhr
- Zugangszonen in der Core Area: Kisli, Mukki, Kanha, Sarhi
- Früh buchen: Die Plätze sind limitiert
- Unsere Unterkunft: Tuli Tiger Resort (https://tulitigerresort.com)
- Mitbringen: Fernglas, Kamera mit Teleobjektiv, warme Kleidung für morgens
❓ Häufig gestellte Fragen (FAQ)
🔹 Wann ist die beste Reisezeit für den Kanha Nationalpark?
Die Monate November bis März, insbesondere der Dezember, gelten als ideale Reisezeit wegen des angenehmen Klimas und der klaren Sicht. Wenn ihr hauptsächlich auf den Tiger fokussiert seid, solltet ihr die heißen Monate März bis Mai wählen.
🔹 Wie viele Tage sollte man für Kanha einplanen?
Ideal sind 3 bis 4 Tage, um mehrere Safaris in verschiedenen Zonen zu machen. Mehrere Safaris erhöhen die Chancen für bleibende Naturerlebnisse.
🌿 Fazit
Der Kanha Nationalpark im Dezember ist ein Ort der Stille, der Kraft und der Begegnung mit einer ursprünglichen Wildnis. Ob auf der Spur des Tigers, beim Beobachten seltener Hirsche oder beim Lauschen der Vogelrufe – hier wird jede Safari zur Reise ins Herz der Natur.

Nach vielen tierischen Highlights im Kanha Nationalpark zog es uns weiter nach Goa, um die Sehenswürdigkeiten in und um Panjim sowie Teile der Vogelwelt zu genießen.



























Very beautifully described everything….
Thanks a lot, Akhil.
Looking forward to February.