Entspannendes Ayurveda und aufregende Vogelbeobachtungen brachte uns, zum Ende des Jahres 2023, ein kurzer Urlaub in Kochi und Kumarakom in Kerala.
Kerala
Kerala, wörtlich aus dem Malayalam übersetzt das „Land der Kokospalmen“, ist ein Bundesstaat an der Malabarküste im Südwesten Indiens und besitzt knappe 600 km Küstenlinie. Kerala hat die höchste Bevölkerungsdichte aller indischen Bundesstaaten und weist die höchste Alphabetisierungsrate in Indien auf. Immer wieder wurde und wird Kerala kommunistisch regiert, was sich in einer geringen Arbeitslosenquote bemerkbar macht. Unser Guide in Kochi betonte, dass es sich um einen sehr sozialen Kommunismus in Kerala handele.

Bekannt ist Kerala unter anderem für seine Backwaters. Die Backwaters sind ein Wasserstraßennetz aus Seen, Flüssen und künstlich hergestellten Kanälen. Entlang der Backwaters wird vornehmlich Landwirtschaft betrieben, es haben sich auch Ayurveda Resorts dort angesiedelt. Auf den Backwaters kann man sich auf Hausbooten, ehemaligen Reisdschunken, durch die üppige Natur fahren lassen.

Wir hatten während dieses Aufenthalts in Kerala leider viel zu wenig Zeit, diesen schönen Bundesstaat zu erkunden. Unser Aufenthalt beschränkte sich auf ein paar Tage in Kochi (Cochin), gefolgt von einer Woche in Kumarakom, direkt am Lake Vembanad in den Backwaters gelegen. Dagmar genoss Ayurveda-Anwendungen im Coconut Lagoon, ich widmete mich der Vogelbeobachtung in den Backwaters.
Kochi (Cochin)
Der Start unserer Reise war in Kochi. Kochi ist nach Thiruvananthapuram die zweitgrößte Stadt in Kerala. Bekannt ist Kochi für seine
Chinesischen Fischernetze
Die Technik der chinesischen Fischernetze wurde im 13. oder 14. Jahrhundert nach Indien gebracht. Die Konstruktion besteht aus einem hölzernen Kragarm, an dessen freien Ende über dem Wasser horizontal ein Netz hängt. Am anderen Ende sind Gegengewichte aus Steinen angebracht, so dass sich das Netzt leicht ins Wasser und aus dem Wasser bewegen lässt.


Direkt bei den chinesischen Fischernetzen verkaufen die Fischer ihren Fang auf einem kleinen Fischmarkt.
Über die chinesischen Fischernetze hinaus ist Kochi nicht übermäßig reich an herausragenden Sehenswürdigkeiten. Gerade im Stadtteil Fort Kochi macht es aber Spaß, sich treiben zu lassen, durch die sauberen Gassen und Straßen zu laufen und einfach dort zu stoppen, wo es einem gerade gefällt.


Was man sich nicht entgehen lassen sollte, ist
Kathakali
Beim Kathakali werden tänzerisch und pantomimisch Geschichten erzählt.

Diese Form des Tanzes wird ausschließlich von stark geschminkten Männern in farbenfrohen Kostümen durchgeführt.

Die Mimik, die die Tänzer hierbei an den Tag legen, ist faszinierend.
Nach unserer Indien-Eingewöhnungsphase in Kochi begann der geplant stressfreie Hauptteil unseres Urlaubs in
Kumarakom
Bereits auf dem Weg nach Kumarakom vergisst man völlig, dass man sich in einem Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern befindet. Natur pur, so weit das Auge reichte.


Kumarakom ist ein kleines, unspektakuläres Dorf, direkt in den Backwaters am Lake Vembanad, dem größten See Keralas, gelegen. Die meisten Gäste kommen nach Kumarakom, um sich ayurvedisch behandeln zu lassen – so zum Beispiel Dagmar. Andere Gäste kommen nach Kumarakom, um Bird Watching zu betreiben – so zum Beispiel ich.
Unsere perfekte Unterkunft war das
Coconut Lagoon
Dieses Resort liegt direkt am Lake Vembanad und bietet beste Möglichkeiten, um von dort die Vogelwelt der Backwaters zu erkunden.
Bird Watching in den Backwaters
29 Seen, 44 Flüsse und rund 1.500 Kilometer Wasserstraßen auf 1.900 km2 Fläche. Diese Zahlen stehen für die Backwaters um Kumarakom.

Der Lake Vembanad, das angrenzende Vogelschutzgebiet „Kumarakom Bird Sanctuary“ und eben diese 1.900 km2 Backwaters bieten erstklassige Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung. Bereits bei einem ersten Ausflug innerhalb unseres Resorts zeigte sich eine vielfältige Vogelwelt.

Als besondere Rarität zeigte sich auf dem Gelände des Coconut Lagoon der
Asiatische Paradiesschnäpper
Eigentlich lebt dieser Vogel in Nepal und Nordindien, zum Überwintern bevorzugt er das warme Südindien.

Neben Vögeln waren noch Bindenwarane und Flughunde regelmäßig in der Anlage zu sehen.
Ich hatte das Glück von unserem Resort, dem Coconut Lagoon, einen erstklassigen Bird Watching Guide vermittelt zu bekommen, der ein eigenes kleines Boot hatte. Zweimal am Tag, am frühen Morgen und am späten Nachmittag, holte er mich mit seinem Boot ab und fuhr mich durch die Backwaters. Neben einem siebten Sinn für das Auffinden von Vögeln hatte er herausragenden Adlerblick. So fanden wir während unseren Touren den ein oder anderen
Eisvogel

Außerdem gab es sehr viele
verschiedene Reiher
zu sehen.

Das seltene
Purpur Sumpfhuhn
war ebenfalls ein Überwinterungsgast in den Backwaters.

Auch der
Schlangenhalsvogel (Anhinga)
war präsent.


Und verschiedene
Blatthühner
zeigten sich regelmäßig.

Im Englischen werden die Blatthühner „Jesus Bird“ genannt, da sie mit ihren riesigen Füßen den Eindruck erwecken, über das Wasser laufen zu können.

Immer wieder hielten wir auch an, um zu Fuß angrenzende Felder und Wälder zu erkunden. In den überschwemmten Feldern gab es viele
Watvögel
zu sehen.
Zum Glück machte meinem Guide die Vogelbeobachtung ebenso viel Freude wie mir, so dass wir teils ohne Zeitlimit unterwegs waren. Lediglich am Abend gab uns der Sonnenuntergang das Ende unserer Touren vor.
Bereits zuhause in Deutschland hatte ich von einem seltenen und originellen Vogel gelesen, den es in Kerala gibt: der Sri Lankan Frogmouth. Den Frogmouth gibt es jedoch nicht in den Backwaters, sondern zum Beispiel in
Thattekad
In Thattekad befindet sich ebenfalls ein Vogelschutzgebiet mit einer großen Artenvielfalt. Die Chancen den Frogmouth dort zu finden sind relativ hoch. Also buchte ich mir ein Auto mit Fahrer und ließ mich die rund 90 Kilometer, aber 2,5 Stunden Fahrtzeit, nach Thattekad bringen. Nachts um 03:30 Uhr ging es in Kumarakom los, so dass wir tatsächlich pünktlich um 06:00 Uhr bei der Eldhose Birding Lodge ankamen. Diese Lodge hatte ich bereits im Vorfeld kontaktiert. Ashy Eldhose war äußerst hilfsbereit und bot mir an, auch ohne Übernachtung in der Lodge, einen Guide für einen Tag zur Verfügung zu stellen.
Das „Vogelbeobachtungserlebnis Thattekad“ startete auf dem Gelände der Eldhose Birding Lodge. Bereits hier gab es einen unglaublichen Artenreichtum: Bartvögel, den Malabar Hornbill, den Flammenspecht und vieles mehr.



Anschließend fuhren wir in das Vogelschutzgebiet von Thattekad, mit dem Ziel den Sri Lankan Frogmouth zu finden. Nach eineinhalbstündiger Suche war es dann tatsächlich so weit. Dieser nachtaktive Vogel mit seinen riesigen Augen saß wenige Meter vor uns auf Augenhöhe auf einem Ast im dichten Urwald.

Die „Mission Frogmouth“ war tatsächlich erfolgreich. Welch ein unglaubliches Glück. Der Tag in Thattekad war jedoch noch nicht vorbei und wir fuhren noch zwei Hides an, um noch weitere Sichtungen erleben zu können.


Derart viele außergewöhnliche Sichtungen an einem Tag hatte ich noch nie. Danke, liebe Familie Eldhose.
Ich kam zwar erst gegen 22:00 Uhr von diesem Trip zurück, aber es hatte sich komplett gelohnt – nicht nur wegen des Frogmouths, den ich tatsächlich sehen konnte.
Mit dem Ausflug ging nun auch schon eine ereignisreiche Woche im grünen und ruhigen Kumarakom zu Ende. Unser Urlaub war jedoch nicht komplett vorbei. Auf uns warteten noch eineinhalb spannende Tage bei einem Zwischenstopp in Mumbai. Die Metropole Mumbai versus Natur pur in Kerala – Kontraste, die Indien so faszinierend machen.































































































Loved reading this. Your story telling really brought the destination to life. Looking forward to more of your travel adventures.
Dear Ashy,
thanks a lot and looking forward to December.