Ob folgendes asiatische Sprichwort wirklich auf Laos zutrifft?
„Die Vietnamesen pflanzen den Reis, die Khmer schauen zu, und die Laoten lauschen, wie er wächst“
Um herauszufinden, ob es in Laos tatsächlich so gemütlich zugeht wie es dieses Sprichwort vermuten lässt, besuchten wir dieses südostasiatische Land im April 2017.
🇱🇦 Laos
Laos liegt in Südostasien, eingerahmt von Thailand, Kambodscha, Vietnam, China und Myanmar. Es ist das einzige Land in Südostasien, das keinen Zugang zum Meer hat. Mit rund 237.000 km2 hat Laos ziemlich genau zwei Drittel der Größe von Deutschland. Laos wird als Einparteienstaat kommunistisch regiert.



Die bedeutendsten Städte sind die Hauptstadt Vientiane, die alte Königsstadt Luang Prabang und Pakse am Mekong, weit im Süden des Landes.

🏞️ Luang Prabang
Als ehemalige Königs- und Hauptstadt ist Luang Prabang, die drittgrößte Stadt von Laos, unbedingt einen Besuch wert – zumal das ganze Luang Prabang 1995 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde.
Wir hatten das Glück, teilweise die Feierlichkeiten für
das buddhistische Neujahr Pi Mai Lao
in Luang Prabang erleben zu können. Wie in Thailand während Songkran, steht auch in Laos während Pi Mai Lao das Wasser im Vordergrund. Häuser werden gereinigt, die Kinder spritzen mit riesigen Wasserspritzpistolen alles und jeden nass und es werden die Buddhas in den Tempeln gewaschen. Dies konnten wir zum Beispiel im
Wat Mai
erleben.
Der Buddha, der eigentlich im Gebetshaus des Königs beim Nationalmuseum steht, wird extra zu Pi Mai Lao in einer farbenprächtigen Prozession zum Waschen zum Wat Mai gebracht.

An der Prozession, die wir erleben konnten, nahmen neben Mönchen auch Laotinnen und Laoten in traditionellen Kostümen und mit Opfergaben teil.









Weil die Gläubigen den Buddha beim Waschen nicht direkt berühren dürfen, wurde hierfür eine überdachte „Waschanlage“ installiert: eine Art Wasserrutsche, an deren hohem Ende das Wasser zugegeben wird,

bis es, dem Gefälle folgend, am tieferen Ende auf den Buddha „regnet“.

Sobald die Feierlichkeiten zu Pi Mai Lao wieder vorbei sind, wird der Buddha zurück ins Gebetshaus gebracht und darf dann nur noch von Mönchen gewaschen werden.

Weitere sehenswerte Tempel sind der
Wat Visoun (Wat Wisunalat)



und der
Wat Xieng Thong



Der frühe Vogel fängt der Wurm. So denken auch die Mönche in Luang Prabang, wenn sie schon am frühen Morgen um 05:00 Uhr unterwegs sind, um Lebensmittel, vornehmlich Reis, als Spenden zu bekommen.
Der Almosengang der Mönche
Wir hielten uns, weit ab vom Zentrum, als einzige Nicht-Laoten, in einer stillen Seitenstraße auf, um bereits die einheimischen Familien bei ihren Vorbereitungen für den Almosengang fasziniert zu beobachten.


Körbe mit Klebereis und diversen anderen Lebensmitteln und Süßigkeiten wurden bereitgestellt, um eine Spende an die Mönche geben zu können.


Die Frauen waren hierbei zum großen Teil feierlich gekleidet, teils in der herrlichen laotischen Tracht.


Kleine Kinder standen am Ende der Schlange mit eigenen Gefäßen oder Tüten parat, da die Mönche alles Erhaltene, was sie selbst nicht benötigen, wieder zurück spenden. So manche Süßigkeit blieb für die Kinder übrig.

Die Abende haben wir auf dem
Nachtmarkt in Luang Prabang
verbracht.


Dort gibt es unter anderem Whiskey, in den Schlangen eingelegt sind.


Den Whiskey haben wir nicht probiert, aber natürlich Nutella-Crepe, den es auch in Laos gibt.

Ausflüge in der näheren Umgebung von Luang Prabang machten wir zu den Pak-Ou-Höhlen und zum Kuang-Si-Wasserfall.
Die Pak-Ou-Höhlen
Mit dem Boot fährt man circa 2 Stunden 30 Kilometer den Mekong, die Mutter aller Flüsse, flussaufwärts, bis man bei den Pak-Ou-Höhlen ankommt.

Die Pak-Ou-Höhlen bestehen aus einer unteren und einer oberen Höhle.
Die untere Höhle, die Tham-Ting-Höhle, bietet neben unglaublich vielen Buddhas und einem schönem Tempel auch einen herrlichen Blick auf das gegenüberliegende Flussufer frei.




Die obere Höhle heißt Tam-Theung-Höhle. Den Zugang zu dieser Höhle muss man sich hart erkämpfen, indem man endlos lange endlos steile Stufen hinauf marschieren muss.




In den Pak-Ou-Höhlen wurden mehr als 4.000 Buddhas angesammelt, wofür es zwei verschiedene Theorien gibt.
Eine Theorie besagt, dass ein König forderte, dass sich die Bevölkerung, weg vom Glauben an Schutzgeister, hin zum Buddhismus bewegen solle. Da in den Pak-Ou-Höhlen Wassergeister als Schutzgeister wohnten, lag es nahe, die Höhlen zu einem buddhistischen Tempel umzufunktionieren.
Eine andere Theorie besagt, dass die Bevölkerung während Kriegen ihre Buddha-Skulpturen zum Schutz vor Zerstörung in den Pak-Ou-Höhlen versteckte und nach Kriegsende dann dort ließ bzw. weiterführend Buddhas hingebracht wurden und werden
Beide Theorien sind schön und egal welche die Richtige ist: die Höhlen sind einfach beeindruckend.

Neben Tempeln und Kultur war dann auch noch etwas Natur an der Reihe, und zwar
Der Kuang-Si-Wasserfall
Der Kuang-Si-Wasserfall befindet sich circa 30 Kilometer südwestlich von Luang Prabang. Der Vorteil, dass wir während des buddhistischen Neujahrs in Luang Prabang waren und so einige Prozessionen und Feierlichkeiten erleben konnten, was sonst nicht möglich wäre, war für den Besuch bei Kuang-Si-Wasserfall eher ein kleiner Nachteil. Auf Grund der Feiertage war in den Becken unterhalb des Wasserfalls sehr viel los.

Der Hauptwasserfall hat eine Höhe von rund 60 Metern. Auf dem Weg durch den Tat Kuang Si Park haben sich mehrere Pools gebildet, die auch zum Baden genutzt werden durften.








Mit dem Besuch des Kuang-Si-Wasserfalls ging unsere Zeit in Luang Prabang leider viel zu schnell vorbei. Zum einen, weil es dort so schön war und zum anderen, weil wir dort nicht getrieben waren, sondern schon einen gewissen Teil der „laotischen Langsamkeit“ leben konnten.
Von Luang Prabang ging es mit dem Flugzeug weiter nach
🪷 Vientiane
Vientiane ist als Hauptstadt von Laos um ein vielfaches größer als Luang Prabang. In Laos wird Vientiane „Vieng Chan“ genannt, die Stadt des Sandelholzes oder auch Stadt des Mondes. Der Süden von Vientiane grenzt bereits an den thailändischen Isaan.


Den Buddhismus und tolle Tempel kann man in Vientiane ebenfalls erleben, so zum Beispiel den
Wat Si Muang
Dieser Tempel wurde im Jahr 1560 vom damaligen König zum Schutz für die neue Hauptstadt Vientiane gebaut.
Während des Baus des Tempels wurde gefordert, dass ein Mädchen und ein Pferd geopfert werden sollen – beide sollten in einer Erdkammer unter einer schweren Säule „zerdrückt“ werden.

Nachdem man sich in der Stadt umgehört hatte und kein weibliches jugendliches Opfer fand, stürzte sich eine schwangere Frau zum Pferd in die Grube und wurde durch die Säule erdrückt.

Seither glauben Einwohner Vientianes, dass es in diesem Tempel Schutzgeister gibt.

Speziell schwangere Frauen suchen den Tempel auf, um Segen für sich und ihr Baby zu erbitten.
Wat Si Saket
Dieser Tempel wurde vom letzten König von Vientiane, König Anuvong, im Jahr 1818 erbaut.


Hier findet man mehr als 10.000 Buddha-Figuren, die nach den Siam Kriegen von 1779 und 1828 im zerstörten Königreich nach und nach in Schutt und Asche gefunden wurden und eine letzte Heimat im Wat Si Saket fanden.


Dieser Tempel wurde in den letzten Jahren mit deutscher Finanzhilfe und Technik rekonstruiert.
Direkt gegenüber von Wat Si Saket befindet sich
Ho Pha Keo
Dieses Museum, ein früherer Tempel, war bis zum Siam Krieg in 1779 die Heimat des Smaragd-Buddhas, ehe dieser als Kriegsbeute ins heutige Thailand nach Bangkok gebracht wurde.



Der Sitzplatz ist für eine Rückkehr des Smaragd-Buddhas, der eigentlich aus Jade ist, in den Ho Pha Keo aber schon vorbereitet.
Ansonsten hatten wir noch den
That Luang
besucht – ein glänzender goldener Stupa und vielleicht das bedeutendste nationale Wahrzeichen von Laos.


Abgesandte von König Ashoka sollen im 4ten Jahrhundert eine Reliquie Buddhas an den heutigen Standort des 45 Meter hohen That Luang gebracht haben.


Im Tempelbereich beim That Luang kann man auch einen überdimensionalen liegenden Buddha finden.

Im Zentrum von Vientiane findet man den
Triumphbogen Patuxai – Das Tor des Sieges
Der Patuxai ist 49 Meter hoch und wurde in den 60er Jahren zu Ehren derer Soldaten gebaut, die gegen Frankreich die Unabhängigkeit von Laos erkämpft haben.

Von der Aussichtsplattform des Turms hat man einen tollen Blick über die Stadt.


Als ruhigste Hauptstadt Südostasiens haben wir auch in Vientiane etwas von der laotischen Gemütlichkeit spüren können.


Viel gemütlicher und langsamer wurde es dann nochmal
💦 im Süden von Laos
Mit einem Inlandsflug sind wir von Vientiane nach Pakse geflogen. Von dort hat uns unser Fahrer zunächst zum
Bolaven-Plateau mit seinen Wasserfällen
gebracht.
Das Bolaven-Plateau ereicht man östlich von Pakse nach circa 1-stündiger Autofahrt. 3 Wasserfälle, die es dort zu sehen gibt, machen die Anfahrt lohnenswert: Tad Yuang (Tad=Wasserfall, Yuang=Steinbock), Tad Fane (Fane=Reh) und Tad E-Tu.
Der
Tad Yuang
hat einen Höhe von 40 Metern.

Der
Tad Fane
ist mit 120 Metern der höchste Wasserfall im ganzen Laos.


Der
Tad E-Tu
ist der dritte Wasserfall, den wir auf dem Bolaven-Plateau gesehen haben.

Nach den Wasserfällen von Kuang-Si und auf dem Bolaven-Plateau entwickelte sich Laos für uns zum Land der Wasserfälle. Es sollte später nämlich noch weiter gehen mit den Wasserfällen. Aber zunächst sind wir erstmal weiter in den Süden, nach Champasak gefahren.
Unterwegs kamen wir an diesem Straßenmarkt für Tiere vorbei.




Mit „Bio“ hat der Tierhandel in Laos augenscheinlich noch nicht viel zu tun.


Unweit von Champasak befindet sich
der Vat Phou, ein Hauch von Angkor in Laos
Beim Vat Phou handelt es sich um einen Tempel, der bis zum heutigen Tag verschiedene Stilrichtungen durchlief und verschiedenen Glaubensrichtungen diente.


Der Bau des Tempels wurde im 4ten Jahrhundert von den Cham noch völlig ohne „Schnörkel“ begonnen. Ende des 5ten Jahrhunderts wurde die Tempelanlage durch die Khmer ausgeweitet und hinduistisch-animistisch genutzt. Erst im 14ten Jahrhundert wurde der Komplex dann zu einem buddhistischen Tempel umfunktioniert.






Zu der Zeit, als die Khmer den Tempel nutzten, wurden junge Frauen als Menschenopfer dem Gott Shiva dargeboten. Ausgewählte Frauen mussten 32 verschiedene Eigenschaften erfüllen (z.B. wohlgeformte Hände und Brüste), um überhaupt als Opfer in Frage zu kommen. Wurde eine bestimmte Frau als nächstes Menschenopfer auserwählt, wurde sie noch 6 Monate auf ihre Opferrolle vorbereitet, ehe ihr Blut Shiva geopfert wurde. Die Opfersteine, auf denen die Frauen hingerichtet wurden, kann man heute noch sehen.


Der „Aufstieg“ zum Vat Phou über unendlich viele und sehr steile Stufen lohnt sich wirklich.




Der Tempel ist klein aber fein und die Aussicht ins Tal einfach toll.


Nun ging es leider schon zu unserem letzten Highlight in Laos.
Der Mekong zum „Anfassen“
Im südlichen Laos, unmittelbar vor der Grenze nach Kambodscha, fächert sich der Mekong in viele kleinere Flussläufe auf. Dieses Gebiet wird auch „4000 Inseln“ genannt. Circa 200 von den „4000 Inseln“ sind bewohnt. Die größte der bewohnten Inseln trägt den Namen Don Khong und ist mehr oder weniger der Beginn der „4000 Inseln“.


Mit dem Boot hatten wir die Gegend der 4000 Inseln erkundet.









Erneut gab es bei den 4000 Inseln beeindruckende Wasserfälle zu sehen – die Mekongfälle, die aus dem Wasserfall Khone Phapheng und den Ta Li Phi Stromschnellen bestehen. Die Mekongfälle überwinden zwar nur eine Höhe von 21 Metern. Da sie aber über 10 Kilometer breit sind, sind die Laoten stolz auf die größten Wasserfälle der Welt.
Die Wasserfälle Khone Phapheng
Die Wasserfälle Khone Phapheng sind der erste Teil der Mekongfälle. Hier wird die größte Höhendifferenz überwunden: circa 18 der 21 Meter fällt der Mekong hier in die Tiefe.




Im Westen von Don Khone liegen
die Stromschnellen Ta Li Phi
bei denen der Mekong auf einer kurzen Strecke die restlichen Höhenmeter wett machen muss.






„Die Vietnamesen pflanzen den Reis, die Khmer schauen zu, und die Laoten lauschen, wie er wächst“
Ein schönes Sprichwort, welches wir nach eineinhalb Wochen in Laos gut nachvollziehen können. Aus der Ruhe lässt sich der gemeine Laote so schnell nicht bringen. Laos gehört zu den Zielen, zu denen wir -vor allem Dagmar – irgendwann auf jeden Fall noch einmal zurückkommen möchten. Alles und jeder hat uns in diesem Land schwer beeindruckt – die Laoten selbst, die farbenfrohen Zeremonien, die Natur inklusive der Wasserfälle, die Tempel – hier jagte wirklich ein Highlight das nächste. Gründe genug, dass wir in dieses wundervolle Land auf jeden Fall mit mehr Zeit zurück kommen möchten.
La kone, auf Wiedersehen, Laos.

Ein weiteres Highlight, welches wir nie vergessen werden, war in Laos für uns ein Besuch des Elephant Conservation Center (ECC). 3 spektakuläre und faszinierende Tage verbrachten wir dort und hatten die Chance einen Einblick zu bekommen, wie frühere Arbeitselefanten sozialisiert werden sollen, um in ein „normales Elefantenleben“ zurückzukehren oder dieses erstmalig erleben zu können.
Hoffnung schaffen für Elefanten, die jede Hoffnung verloren hatten.
