Tauchen in Lembeh bedeutet: Muck-Tauchen bei der Suche nach Critter.

❓Allgemeines zur Lembeh Strait und zum Muck-Tauchen
Die Lembeh Strait (=Straße von Lembeh) befindet sich auf der Ostseite des nördlichen Endes von Sulawesi. Links von der Lembeh Strait liegt Sulawesi, rechts befindet sich die Insel Pulau Lembeh.
In Taucherkreisen ist Lembeh bekannt für das hohe Aufkommen verschiedener Critter, die man hier beim Muck-Tauchen finden kann. Aber: Was sind Critter und was ist Muck-Tauchen?
Der Begriff Critter leitet sich wohl vom englischen Wort „Creature“ ab und steht für kleine, auffällige und oft außergewöhnlich aussehende Meerestiere, die teilweise eine einzigartige Tarnung besitzen. Beispiele für Critter können sein: Oktopusse, Anglerfische, Nacktschnecken, Seepferdchen und Garnelen.
Beim Muck-Tauchen taucht man im Wesentlichen flach über sandigen, steinigen oder schlammigen Meeresboden und sucht diesen nach Critter ab, indem man sich dem Zickzack-Kurs folgend fortbewegt.

Wer sich von einem Tauchurlaub bunte Fische, Großfisch und / oder viele Korallen an Steilwänden verspricht, der ist in der Lembeh Strait sicher am falschen Ort. Jeder Makro-Fan sollte in der Lembeh Strait aber voll auf seine Kosten kommen.

Es muss einem jedoch bewusst sein, dass man hier an vielen Stellen – im wahrsten Sinne des Wortes – durch Müll taucht. Tüten und Säcke, Flaschen und Dosen, Autoreifen: all dies ist an der Tagesordnung, wenn man die Straße von Lembeh betaucht.

Wenn man im Internet recherchiert, warum es in der Lembeh Strait eine so hohe Menge an Critter gibt, stößt man immer wieder auf folgende drei Schlagworte: vielfältige Lebensräume (wie Sand, Stein, Schlamm und Korallen), einzigartige ökologische Nischen und klimatische Faktoren.
🤿 Was konnten wir während unserer 6 Tauchtage erleben?
📆 Tauchtag Nummer 1
Wie auch an den kommenden Tagen machten wir am ersten Tauchtag 3 Tauchgänge mit den Eco-Divers, die im White Sands Resort angesiedelt sind. Am Morgen wurde eine Ausfahrt mit zwei Tauchgängen durchgeführt, am Nachmittag konnte man um 15:00 Uhr einen weiteren Tauchgang machen.
Der Start in unser kleines Lembeh-Abenteur war furios. Am ersten Tag konnten wir während der 3 Tauchgänge unter anderem viele Nacktschnecken sehen, sowie Seepferdchen, Anglerfische, Prachtsepien und als Krönung 6 Harlekin-Garnelen. Besser kann es eigentlich nicht losgehen.

Über die seltenen und schwer zu findenden
Harlekin-Garnelen
haben wir uns so richtig gefreut. Sie liessen sich nicht stören und fraßen genüsslich ihr Lieblingsgericht Seestern.

Trotz ihrer zierlichen Größe sind Harlekingarnelen äußerst geschickte Räuber, die sich ausschließlich auf Seesterne spezialisiert haben. Sobald ein Paar – denn sie leben meist monogam – einen geeigneten Seestern entdeckt, beginnt ein perfekt abgestimmtes Zusammenspiel. Die Garnelen tasten den Boden und das Riff mit ihren sensiblen Antennen ab, bis sie die chemischen Spuren ihrer Beute wahrnehmen. Haben sie einen Seestern gefunden, nähern sie sich langsam von der Unterseite oder den Randbereichen, wo sie weniger Gefahr laufen, entdeckt zu werden.

Der eigentliche Jagdmoment wirkt fast wie eine Choreografie. Mit erstaunlicher Kraft und Präzision hebeln die Garnelen einen Arm des Seesterns an. Oft drehen sie den gesamten Seestern kurzerhand um, sodass dieser hilflos auf dem Rücken liegt. Diese Position macht ihn kaum noch bewegungsfähig – ein klarer Vorteil für die Garnelen. Anschließend beginnen sie, die weiche Gewebeunterseite des Seesterns Stück für Stück zu fressen. Was für den Beobachter dramatisch erscheint, ist für die Harlekingarnelen ein längeres Festmahl: Ein ausreichend großer Seestern kann einem Garnelenpaar mehrere Tage oder sogar Wochen Nahrung bieten.

Weniger dramatisch, wenn auch immer noch spektakulär, geht es zu, wenn der
Anglerfisch
auf Jagd geht.
Der Körper eines Anglerfischs ist so geformt und gefärbt, dass er nahezu vollständig mit seiner Umgebung verschmilzt. Ob zwischen Schwämmen, auf sandigem Grund oder in Korallen – viele Arten sind wahre Meister der Mimikry. Doch das eigentliche Markenzeichen sitzt auf ihrem Kopf: ein umgebildeter, angelartiger Fortsatz, der sogenannte „Köder“ oder Illicium, an dessen Spitze ein bewegliches Anhängsel, das Esca, sitzt. Dieses Anhängsel imitiert kleine Beutetiere wie Würmer, Garnelen oder Fischlarven.

Sobald der Anglerfisch eine potenzielle Beute wahrnimmt, beginnt er den Köder verführerisch zu bewegen – mal zuckend, mal schwebend, je nachdem, welche Art er darstellen will. Für vorbeischwimmende Fische sieht das aus wie ein leicht zu schnappender Snack. Nähert sich der neugierige Fisch dem vermeintlichen Häppchen, bleibt der Anglerfisch selbst vollkommen reglos, bis der Abstand minimal ist.

Dann erfolgt die Attacke: In einem Bruchteil einer Sekunde reißt der Anglerfisch sein Maul auf und erzeugt dabei einen starken Sog, der die Beute regelrecht in seinen Schlund zieht. Dieser Vorgang ist so schnell, dass viele Kameras erst mit Hochgeschwindigkeitsaufnahmen das tatsächliche Tempo erfassen können – und für Taucher wirkt es fast, als würde die Beute einfach verschwinden. Nach dem Fang klappt das Maul wieder zu, und der Anglerfisch verharrt ruhig an seiner Stelle, als wäre nichts geschehen, bereit für die nächste Gelegenheit.

Gemächlicher geht es bei der Nahrungsaufnahme der
Nacktschnecken
zu.
Viele Nacktschnecken sind hochspezialisierte Feinschmecker. Statt wahllos zu fressen, konzentrieren sie sich meist auf eine ganz bestimmte Art von Nahrung – und genau diese Spezialisierung hat zur großen Vielfalt ihrer Formen und Farben beigetragen. Manche Arten ernähren sich ausschließlich von Schwämmen, andere von Moostierchen, Hydroiden, Korallenpolypen oder sogar von anderen Nacktschnecken. Jede Gruppe hat ihre eigene Taktik, um an die nährstoffreichen Bestandteile ihrer Beute zu gelangen.

Besonders faszinierend sind Arten, die giftige oder wehrhafte Beutetiere fressen. Nacktschnecken, die beispielsweise an Nesseltieren wie Hydroiden oder Seeanemonen knabbern, können deren Nesselzellen unbeschadet aufnehmen. Diese werden im Körper der Schnecke weitertransportiert und schließlich in den äußeren Körperanhängen – den Cerata – eingelagert. So übernimmt die Schnecke praktisch die Abwehrmechanismen ihrer Beute und nutzt sie zu ihrem eigenen Schutz.

Andere Nacktschnecken, insbesondere die sogenannten „Solar Powered“ Schnecken wie Elysia-Arten, bedienen sich noch eines anderen Tricks: Sie fressen Algen und integrieren die Chloroplasten der Algen in ihr eigenes Gewebe. Dadurch können sie einen Teil ihres Energiebedarfs durch Photosynthese decken – fast so, als würden sie sich selbst zu kleinen lebenden Solarpanelen machen.

Bilder zu weiteren Highlights des ersten Tauchtages in der Lembeh Strait


📆 Tauchtag Nummer 2
Während unserer drei Tauchgänge waren die hauptsächlichen Highlights diesmal – neben den wiederum tollen Nacktschnecken – die Geistermuränen, der Geisterpfeifenfisch und ein Blauringkrake (blue-ringed octopus).
Wer in Lembeh taucht, kommt an einer der oben bereits angekündigten, faszinierenden Bewohnerinnen dieser berühmten Makro-Destination kaum vorbei:
Die Geistermuräne
Zwischen schwarzen Sandhängen, vereinzelten Korallenblöcken und typischem “muck” Terrain lugt sie wie ein farbenfrohes Fantasiewesen aus ihrer Wohnröhre – und das in völlig unterschiedlichen Farben, je nachdem, in welchem Lebensstadium sie sich gerade befindet. Genau das macht die Begegnung mit ihr so spannend: Anhand ihrer Färbung kann man erstaunlich präzise erkennen, ob man gerade einem Jungtier, einem erwachsenen Männchen oder einem ausgewachsenen Weibchen „gegenübersteht“.

Juvenile Geistermuränen sind fast vollständig schwarz gefärbt, nur eine leuchtend gelbe Rückenlinie zieht sich wie ein Signalstreifen über ihren Körper. Dieses dunkle Stadium dient vermutlich der Tarnung – der perfekte Look, um sich unauffällig im nährstoffreichen, aber räuberreichen Sandboden Lembehs einzugraben.

Mit zunehmender Reife verwandelt sich die Muräne dann in das, was die meisten Taucher als “klassische” Geistermuräne kennen: ein tiefblauer Körper mit kräftig gelber Rückenflosse und gelben Lippen – das charakteristische Farbkleid eines adulten Männchens. Diese eindrucksvolle Kombination aus Blau und Gelb ist es, die sie zu einem der am meisten fotografierten Motive unter Makro-Fans macht.

Erreicht die Geistermuräne schließlich ihr weibliches Stadium, durchläuft sie ein letztes spektakuläres Farbwechselspiel: Der Körper wird nun vollständig leuchtend gelb. Diese goldene Färbung ist seltener zu sehen, denn nur wenige Tiere erreichen diesen Entwicklungsabschnitt – und genau deshalb ist die Sichtung einer gelben Geistermuräne für viele Taucher ein echtes Highlight.
Ein weiterer Critter trägt nur ab und zu blau in der Lembeh Strait – aber nur dann, wenn es sein muss:
Der Blauringkrake (blue-ringed octopus)
Wer in Lembeh taucht, weiß: Zwischen all den skurrilen Crittern, die sich im schwarzen Vulkansand verstecken, gibt es ein Tier, das gleichermaßen Bewunderung wie Respekt hervorruft – den Blauringkraken. Kaum größer als eine Streichholzschachtel, aber mit einer der stärksten natürlichen Gifte der Welt ausgestattet, zählt er zu den spektakulärsten Begegnungen, die man in Lembeh erleben kann. Trotzdem bleibt er im Normalzustand überraschend unscheinbar: gelblich bis beige, perfekt getarnt und leicht zu übersehen. Seine berühmten leuchtenden, neonblauen Ringe zeigt er nämlich nur in besonderen Momenten – und genau das macht diese Sichtung so besonders.

Die blauen Ringe des Blauringkraken erscheinen ausschließlich als Warnsignal. Sobald er sich gestört oder bedroht fühlt – etwa wenn ein potenzieller Fressfeind zu nah kommt oder ein unachtsamer Taucher zu lange in seiner Privatsphäre wühlt – beginnen die strahlenden Ringe regelrecht aufzublitzen. Diese blitzartigen Farbkontraste entstehen durch spezialisierte Hautzellen, die der Krake innerhalb von Sekunden aktivieren kann. Für Fotografen bedeutet das oft: Eine Sekunde zu früh oder zu spät, und der magische Moment ist vorbei. Für den Kraken selbst hingegen ist es eine letzte, deutlich sichtbare Botschaft: „Komm mir nicht zu nahe.“

Was viele unterschätzen: Hinter diesem Warnsignal steckt absolute Ernsthaftigkeit. Der Blauringkrake trägt ein Neurotoxin in sich, das zu den potentesten Giften der Meere zählt. Schon kleinste Mengen können beim Menschen zu vollständiger Lähmung führen, da das Gift die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln blockiert. Das Tückische: Der Biss kann winzig und fast schmerzlos sein – die Wirkung aber potenziell tödlich, da das Nervengift auch die Atemmuskulatur lähmt. Es gibt kein Gegengift, nur unterstützende Maßnahmen wie künstliche Beatmung, bis der Körper das Toxin selbst abbaut. Genau deshalb ist der Blauringkrake trotz seiner zarten Erscheinung eines der gefährlichsten Tiere, denen man beim Tauchen begegnen kann.

Immer wieder faszinierend ist ebenfalls
Der Geisterpfeifenfisch
Es gibt 2 Arten von Geisterpfeifenfischen: den gefiederten und den robusten Geisterpfeifenfisch. Während der Tauchgänge in der Straße von Lembeh sahen wir zunächst den gefiederten Geisterpfeifenfisch – ein robuster sollte später im Urlaub, am vierten Tauchtag, noch folgen.
Der Gefiederte Geisterpfeifenfisch (Solenostomus paradoxus) ist die Art, die Taucher in Lembeh am häufigsten zu Gesicht bekommen. Seine extravaganten, fransigen Hautauswüchse und die oft leuchtenden Farben – von Rot über Gelb bis zu leichten Pastelltönen – machen ihn zu einem echten Hingucker. Am liebsten hält er sich in der Nähe von Federsternen oder buschigen Korallen auf, deren Struktur er perfekt imitiert. Diese perfekte Tarnung ist nicht nur ein Schutz vor Fressfeinden, sondern auch der Grund, warum man ihn oft erst entdeckt, wenn der Guide bereits mit dem Zeigestab daneben schwebt. Für Fotografen lohnt sich Geduld, denn die Tiere drehen sich gerne leicht zur Seite, was die filigrane Form und die Details besonders schön hervorhebt.

Die zweite Art, der Robuste Geisterpfeifenfisch (Solenostomus cyanopterus), wirkt im Vergleich dazu deutlich schlichter – aber keineswegs weniger faszinierend. Er hat eine glattere Körperoberfläche ohne auffällige Fransen und variiert farblich meist zwischen Grün, Braun oder Beige. Seine Tarnung ist subtiler und auf Seegraswiesen abgestimmt, wo er nahezu unsichtbar zwischen einzelnen Halmen schwebt. Diese Art ist insgesamt seltener zu finden als der gefiederte Vertreter, und eine Sichtung gilt für viele Taucher als besonderes Highlight.
Unter den
Nacktschnecken
die wir am zweiten Tauchtag sehen konnten, war ein besonderes Highlight.
Shaun, das Schaf
zeigte sich.
Unter den unzähligen bizarren und farbenfrohen Lebewesen der Lembeh Strait gehört die winzige Nacktschnecke Costasiella kuroshimae — liebevoll „Shaun, das Schaf“ genannt — zu den absoluten Publikumslieblingen. Mit ihren knuffigen, schwarzen „Augepunkten“ und den grünen, blattähnlichen Cerata wirkt sie tatsächlich wie eine Miniaturversion des berühmten Knetfiguren-Schafs. Doch was auf den ersten Blick wie ein verspielter Einfall der Natur wirkt, entpuppt sich unter Wasser als kleines Wunderwerk biologischer Kreativität.

Shaun ist winzig, nur wenige Millimeter groß, und lebt bevorzugt auf feinen Algenmatten. Dort grast er gemächlich vor sich hin – ein Verhalten, das nicht nur putzig aussieht, sondern ihm auch eine erstaunliche Fähigkeit verleiht: die Kleptoplastie. Die Schnecke kann nämlich die Chloroplasten aus den von ihr gefressenen Algen einlagern und zeitweise selbst Photosynthese betreiben. Dadurch leuchtet sie in einem satten Grün, das im Makrolicht fast magisch schimmert und uns Taucher in einen wahren Begeisterungsrausch versetzt.

In Lembeh hat man gute Chancen, Shaun zu begegnen – vorausgesetzt, man bringt Geduld, gute Augen und eine sichere Tarierung mit. Meistens sitzt Shaun gut getarnt auf hellgrünen Algenbüscheln, wo er beinahe mit seiner Umgebung verschmilzt. Wer ihn findet, wird jedoch mit einem der charmantesten Motive belohnt, die die Makrowelt des Indopazifiks zu bieten hat.
Weitere Nacktschnecken vom zweiten Tauchtag


Anglerfisch (Frogfish) vom zweiten Tauchtag

Weitere Highlights vom zweiten Tauchtag

So toll der zweite Tauchtag auch war und so viele Sichtungen und Erlebnisse er auch brachte, einen Nachteil hatte dieser Tag doch. Denn, warum auch immer: das ruhige Tauchen war erstmal vorbei und Strömung hielt Einzug in der Lembeh Strait. Viele Tauchplätze konnten gar nicht mehrt getaucht werden, viele andere nur mit starken Einschränkungen. Wir versuchten dennoch das Beste daraus zu machen…
📆 Tauchtag Nummer 3
Auf Grund der vorherrschenden starken Strömung konnten wir am dritten Tauchtag nur „unspektakuläre“ Tauchplätze anfahren. Um es ehrlich zuzugeben: „unspektakulär“ ist Jammern auf hohem Niveau. An den meisten anderen Tauchplätzen außerhalb von Lembeh würde man immer noch von „hammermäßigen“ Sichtungen reden: immerhin hatten wir an diesem Tag wieder viele Anglerfische sehen dürfen und erneut auch wunderschöne Nacktschnecken.
Anglerfische
Zu unseren großen Freude war einer der beiden Anglerfische des Pärchens, welches wir gefunden haben, ein „haariger Anglerfisch“.
Der haarige Anglerfisch – oft auch Hairy Frogfish genannt und wissenschaftlich als Antennarius striatus bekannt – ist einer der bizarrsten Meeresbewohner. Sein Name stammt von den zahlreichen fransenartigen Hautauswüchsen, die wie Haare wirken und ihm eine perfekte Tarnung im Korallenriff oder auf sandigem Meeresgrund ermöglichen. Diese „Haarbüschel“ variieren in Farbe und Form, sodass sich jedes Individuum perfekt an seine Umgebung anpasst. Manche Exemplare sehen aus wie bewachsene Steine, andere erinnern an treibende Algenbüschel – ideale Voraussetzungen, um Beute in nächster Nähe völlig unbemerkt zu überraschen.

Wie alle Vertreter der Anglerfische besitzt er eine Art Angelrute auf der Stirn, den sogenannten Illicium, an dessen Ende ein beweglicher Köder – das Eska – sitzt. Mit diesem „Köderwürmchen“ wackelt der Anglerfisch verführerisch vor dem Maul herum, bis ein neugieriger kleiner Fisch oder eine Krabbe zu nah kommt. Dann reicht ein explosionsartiger Sog, um die Beute blitzschnell zu verschlingen – oft in weniger als einer Zehntelsekunde. Trotz seiner eher kompakten Körperform kann der haarige Anglerfisch enorme Maulweiten entwickeln und so überraschend große Beute fressen.
Auch seine Fortbewegung ist ungewöhnlich: Statt aktiv zu schwimmen, „läuft“ oder „hüpft“ er regelrecht über den Meeresboden, wobei er seine umgewandelten Brustflossen wie kleine Beine einsetzt. In manchen Situationen bläst er sogar Wasser über seine Kiemen aus und schwebt dadurch ein Stück weit über den Boden – eine eigenartige, fast außerirdisch wirkende Bewegung.
Nacktschnecken


Weitere Highlights vom dritten Tauchtag



📆 Tauchtag Nummer 4
An diesem Tauchtag machten wir nicht, wie bislang, einen dritten Tauchgang am Nachmittag. Dafür hatten wir am frühen Abend, zur Dämmerung, einen Mandarin-Dive durchgeführt. Die zwei Tauchgänge am Vormittag fanden statt wie immer. Und sie wurden zu ganz speziellen Tauchgängen: während dieser beiden Tauchgänge haben wir acht
Anglerfische
gesehen. So viele sieht man normalerweise während eines kompletten 2-wöchigen Tauchurlaubs insgesamt nicht. Und einer war schöner als der andere: die nachfolgenden Bilder sollen es beweisen.




Ein weiteres Highlight war für uns
die Imperatorgarnele (emperor shrimp)
die wir auf einer Seegurke fanden.
Die Imperatorgarnele (Periclimenes imperator) gehört zu den elegantesten und zugleich spannendsten Kleinstbewohnern des tropischen Indopazifiks. Ihr auffälliges Farbkleid – meist eine Kombination aus kräftigem Orange, tiefem Violett und weißen Akzenten – macht sie zu einem echten Hingucker für Makrofotograf*innen. Doch ihr eigentliches Geheimnis liegt in ihrer außergewöhnlichen Lebensweise: Sie ist eine Kommensale, die bevorzugt auf größeren Wirbellosen wie Seegurken, Nacktschnecken oder Seesternen lebt und mit ihnen durch die Unterwasserwelt „reist“.

Diese Partnerschaften sind für die Garnele überaus praktisch. Während ihr Gastgeber durch den Sand gleitet oder über Korallenstrukturen kriecht, profitiert die Imperatorgarnele vom Schutz und von der Mobilität. Sie frisst kleine Parasiten, Hautpartikel oder Nahrungspartikel, die sie auf der Oberfläche ihres Wirtes findet. Der Wirt selbst wird dabei nicht geschädigt – oft profitiert er sogar von der sanften Reinigung. Besonders spektakulär wirkt das Zusammenspiel, wenn die farbenprächtige Garnele auf ebenso farbintensiven Nacktschnecken wie der Spanischen Tänzerin oder farbstarken Seegurken sitzt und mit ihnen harmoniert oder kontrastiert.
Den gefiederten Geisterpfeifenfisch hatten wir am zweiten Tauchtag schon gesehen. Nun kam noch der
robuste Geisterpfeifenfisch
dazu.

Der Tauchtag endete am frühen Abend mit einem zusätzlichen Highlight, dem
Mandarin-Tauchgang
Geschützte Buchten, reichlich Hartkorallen und jede Menge Versteckmöglichkeiten sind die optimalen Voraussetzungen für Mandarinfische. Tagsüber zeigen sich die scheuen Tiere kaum – sie bleiben in ihren Korallenverstecken oder unter Muschelbrocken verborgen. Doch mit der Dämmerung beginnt das Spektakel, welches auch wir sehen wollten: die Mandarinfisch-Balz. Die Tiere steigen dabei in perfekter Synchronität ein Stück über das Korallenriff auf und verschmelzen fast miteinander, bevor sie wieder im Schutz der Äste verschwinden.

Diese Tipps helfen Dir, die Chance zu erhöhen, die Mandarinfische bei der Paarung beobachten zu können:
- Dämmerungstauchgänge einplanen: Der Paarungstanz findet meist 10–20 Minuten nach Sonnenuntergang statt.
- Licht sensibel einsetzen: Mandarinfische reagieren empfindlich auf helles Dauerlicht. Ein roter Fokuslichtfilter kann hilfreich sein.
- Kamera vorher einstellen: Die Action dauert oft nur wenige Sekunden – schnelle Reaktionszeit ist entscheidend.
- Respektvoller Abstand: Kein Jagen oder Blockieren der Korallen – gestresste Tiere brechen ihren Tanz ab.
Weitere Highlights vom vierten Tauchtag
📆 Tauchtag Nummer 5
Dieser Tag brachte zwei klitzekleine Highlights mit sich, denn wir hatten einerseits Pygmäenseepferdchen (Hippocampus Bargibanti) und andererseits den Lembeh-Seadragon zu Gesicht bekommen bzw. vor die Maske bekommen.
Der Lembeh Seadragon
Winzige, perfekt getarnte Kreaturen sind ja an der Tagesordnung in der Lembeh Strait. Mit dem Lembeh Seadragon (Kyonemichthys rumengani) gibt es eine Kuriosität, die tatsächlich aber nicht häufig zu sehen ist – ein extrem seltenes, fast surreal wirkendes Tier, das man selbst in Indonesiens artenreichen Gewässern nur mit viel Glück entdeckt.
Der Lembeh Seadragon ist mit einer Körperlänge von nur etwa 1,5 bis 2,5 Zentimetern und einer Dicke von circa 2 Millimetern ein echtes Miniaturwunder. Seine filigrane, fast durchscheinende Gestalt macht ihn zu einem Meister der Tarnung. Zwischen Algen und fein bewachsenen Sandflächen, aber auch am mageren Bewuchs von Steilwänden, wirkt er eher wie ein schwebender Faden als wie ein Fisch.

Sein länglicher, dünner Körper und der charakteristische, röhrenförmige Kopf erinnern an einen winzigen Ghost Pipefish oder eine Mini-Version der bekannten Seadragons aus Australien. Doch der Lembeh Seadragon ist eine eigene Klasse: zart, minimalistisch und dennoch unglaublich elegant. Mit seinem kleinen Greifschwanz klammert er sich an feine Strukturen, während er nahezu schwerelos im Wasser pendelt und mikroskopisch kleine Nahrungspartikel filtert.
Eine weitere Mini-Unterwasser-Rarität ist
Das Pygmäenseepferdchen (Hippocampus Bargibanti)
Dieses winzige Seepferdchen lebt ausschließlich auf bestimmten Gorgonenfächern der Gattung Muricella, meist in Tiefen zwischen 15 und 40 Metern. Seine extreme Spezialisierung auf diesen Lebensraum macht es zu einem wahren Tarnkünstler: Die Farbe und Struktur seines Körpers passt sich perfekt den Polypen und Knötchen der Gorgonie an, sodass es selbst für erfahrene Augen kaum sichtbar ist. Es bewegt sich nur wenig, bleibt sein Leben lang auf demselben Fächer und ernährt sich von vorbeiziehendem Zooplankton.
Mit einer Größe von nur etwa 1,3 bis 2,7 Zentimetern zählen Bargibanti-Pygmäenseepferdchen zu den kleinsten Seepferdchenarten der Welt. Ihr winziger Körper ist mit knubbelartigen Erhebungen bedeckt, die exakt der Textur ihres Wirtfächers entsprechen. Es gibt zwei häufige Farbvarianten: gelb bis orange mit roten Knötchen sowie violett bis rosa mit helleren Knötchen. Diese perfekte Tarnung dient nicht nur dem Schutz vor Fressfeinden, sondern macht sie auch zu einer besonderen Herausforderung für Makro-Fotograf*innen.
Lembeh ist einer der weltweit besten Orte, um Hippocampus bargibanti zu beobachten, da die Guides die Standorte der besiedelten Gorgonen oft seit Jahren kennen. Mit Geduld, einer perfekten Tarierung und dem geschulten Blick eines erfahrenen Guides stehen die Chancen gut, eines dieser außergewöhnlichen kleinen Seepferdchen zu entdecken.
Neben diesen winzig kleinen Highlights hatten wir am fünften Tauchtag auch wieder viele schöne
Nacktschnecken
sehen können.
Weitere Highlights vom fünften Tauchtag in Lembeh
📆 Tauchtag Nummer 6
Am sechsten und letzten Tauchtag in Lembeh sollte uns noch eine wirklich spektakuläre Überraschung erwarten – wir hatten, sogar zweimal, das Glück noch einen
Kokosnussoktopus
zu sehen.

Dieser hochintelligente Kopffüßer lebt bevorzugt auf sandigen oder schlammigen Böden in tropischen Küstengewässern, wie sie in Lembeh besonders häufig vorkommen. Sein Name stammt von seinem einzigartigen Verhalten: Er nutzt leere Kokosnussschalen, Muschelhälften oder andere harte Gegenstände als mobile Schutzhöhlen. Diese sammelt er aktiv ein, trägt sie unter seinem Körper mit sich herum oder baut sie zu einem improvisierten Unterschlupf zusammen – ein eindrucksvolles Beispiel für Werkzeuggebrauch im Tierreich.
Kokosnuss-Oktopusse sind hauptsächlich nacht- oder dämmerungsaktiv und verbringen ihre Tage oft gut versteckt im Sand oder in ihren selbstgebauten Behausungen. Ihr Verhalten ist neugierig, vorsichtig und überraschend strategisch. Sie bewegen sich sowohl krabbelnd über den Boden als auch elegant schwimmend mit charakteristischer Mantelbewegung. Besonders spannend zu beobachten ist ihr Jagdverhalten: Sie lauern kleinen Garnelen, Krabben und anderen wirbellosen Tieren auf und greifen blitzschnell mit ihren Armen zu. Gleichzeitig sind sie Meister der Tarnung und können binnen Sekunden ihre Farbe oder Hautstruktur verändern, um mit dem Untergrund zu verschmelzen.

Mit einer Mantellänge von bis zu 8 Zentimetern und einer Gesamtspannweite von ungefähr 30 Zentimetern zählt der Kokosnuss-Oktopus zu den mittelgroßen Oktopusarten, bleibt aber dennoch kompakt genug, um sich in kleinste Verstecke zurückzuziehen. Seine langen, schlanken Arme und die kontrastreiche Färbung mit dunklen Linien oder Punkten machen ihn zu einem fotogenen Motiv – besonders, wenn er gerade seine “Werkzeuge” transportiert oder sich in einer Muschel verschanzt.

Zu guter Letzt zeigte sich sogar ein weiterer
Blauringoktopus


Weitere Highlights des letzten Tauchtages


❗️Wie war das Tauchen in Lembeh?
Das Tauchen in Lembeh war schlicht und ergreifend faszinierend. Trotz des Nachteils, dass wir auf Grund der starken Strömung bei der Auswahl der Tauchplätze etwas eingeschränkt waren, hatten wir Sichtungen, die es in Qualität und Häufigkeit kaum woanders geben sollte. Das einzige, was uns verwehrt blieb, was aber ganz oben auf unserer Wunschliste stand, war der Rhinopia. Den heben wir uns dann eben für unser nächstes Tauchabenteuer in der Lembeh Strait auf.
Solltet Ihr mit den Eco Divers der White Sands Resort tauchen: fragt als Tauchguide nach Horin. Er hat uns während unserer 18 Tauchgänge geguided und uns so viele tolle Sachen gezeigt. Ohne ihn, wäre es sicherlich weniger spektakulär gewesen.
Wenn Ihr Lust habt, könnt Ihr noch hier vorbeischauen. Bevor wir in Lembeh getaucht sind, hatten wir 17 tolle Tauchgänge um Bangka Island.












































































































Ui, da habt Ihr ja wirklich fast alles gesehen, super. Wieder tolle Bilder. Mir fehlt der Blueringed noch :), da hattet Ihr ja Glück.
Liebe Myriam,
viel Glück hatten wir und einen richtig tollen Guide.
Horin entgeht unter Wasser wohl kaum etwas.
Unglaublich schöne Aufnahmen! Die Tierwelt unter Wasser ist so faszinierend und abwechslungsreich, man könnte stundenlang staunen.
Liebe Viktoria,
uns geht es unter Wasser oft genug noch genauso, dass wir aus dem Staunen nicht mehr herauskommen – speziell in Lembeh.
Wow.. da kann das Rote Meer nicht mithalten. Tolle Farben und Eindrücke. Beneidenswert…
Danke, Karin.
Was die Critters angeht, kann das Rote Meer wahrlich nicht mithalten. Dafür gibt es im Roten Meer Dugongs, Schildkröten und Delfine, die man in Lembeh nicht finden kann. Insofern: auch Ägypten bietet wunderschöne Tauch- und Schnorchelhighlights.