Nach beeindruckenden Tagen in und um Kathmandu, brachte uns ein Flug – mit spektakulären Aussichten auf den Himalaya – nach Bhutan: in das Land des Donnerdrachens.
Allgemeines zu Bhutan
Bhutan ist mit einer Fläche von rund 38.000 km2 in etwa so groß wie die Schweiz, mit lediglich 700.000 Einwohnern jedoch wesentlich dünner besiedelt. Bhutan liegt im Himalaya, eingebettet (oder auch „sandwiched“, wie es der gemeine Drukpa bewusst negativ ausdrückt) zwischen den Großmächten Indien und China.

Als demokratische konstitutionelle Monarchie hat das Land noch einen König, der von der Bevölkerung geliebt, anerkannt und verehrt wird. Die Amtssprache ist Dzongkha, Englisch ist aber weit verbreitet.
Die Währung Bhutans trägt den tollen Namen „Ngultrum“. Während unseres Aufenthalts waren 100 Ngultrum einen Euro wert.

Was macht Bhutan so besonders für uns?
Wir denken, es sind die Abgeschiedenheit, das Bruttonationalglück, die Nachhaltigkeit und das weitgehend traditionelle Leben, welche Bhutan so besonders machen.
Erst 1974 öffnete sich Bhutan langsam für Touristen. Noch heute ist die maximale Besucherzahl, die pro Jahr ins Land kommen darf, auf 300.000 Reisende limitiert. Jeder dieser Reisenden muss derzeit, je nach Reisezeitraum, zwischen 200 und 250 USD pro Tag im Land umsetzen.
Als eines von wenigen Ländern der Welt wird in Bhutan mehr Kohlendioxid gebunden als produziert. Dies liegt einerseits an den riesigen Waldflächen, die es hier gibt: 70% des Landes sind aktuell mit Wald bedeckt, 60% müssen es minimal sein – dies ist in der Verfassung geregelt. Zum anderen kann Bhutan saubere Energie aus Wasserkraft gewinnen. Durch saubere Wasserkraft wird so viel Energie erzeugt, dass diese teilweise sogar zum großen Nachbarn Indien verkauft werden kann.

Das Grundrecht auf Glück ist ein in der Verfassung Bhutans garantiertes Rechtsgut. Gemessen wird das Erreichen des Ziels „Glück“ hierbei mittels des Bruttonationalglücks. Im Gegensatz zum Bruttosozialprodukt gehen bei der Ermittlung des Bruttonationalglücks auch Faktoren wie die Lebensqualität mit ein.
Traditionen machen das Land so authentisch. So hat der König zum Beispiel erlassen, dass im Arbeitsleben und zu öffentlichen Anlässen, die traditionell bhutanische Kleidung getragen werden muss. Männer tragen den Gho, Frauen den Kira.
Investoren und Ketten – wie Starbucks, KFC oder McDonald’s – sind in Bhutan noch nicht erwünscht und nicht vertreten.
Nicht erwünscht sind ebenfalls Ampeln. Gegen die Ampel, die es in der Hauptstadt Thimphu einmal gab, wurde von der Bevölkerung so lange demonstriert, bis diese wieder abgeschafft wurde: man brauche keine Ampel, da man in Bhutan ohnehin so freundlich ist, den anderen zuerst fahren zu lassen.
Und zugegebenermaßen ist die Verkehrsdichte, selbst in der Hauptstadt Thimphu, nicht die größte. Dennoch wird am meistbefahrenen Kreisverkehr von Thimphu der Verkehr durch Polizisten geregelt. Mit weichen, pantomimischen Bewegungen regeln sie das wenige, das es zu regeln gibt.
Das Reisen mit dem Auto ist übrigens ohnehin sehr entspannt in Bhutan. Die maximale Höchstgeschwindigkeit beträgt 50 km/h. Für Raser ist dieses Land somit eher nichts.
Was bot Bhutan für uns?
Da wir unseren ersten Besuch in Bhutan mit einem Aufenthalt in Nepal kombinierten, hatten wir leider nur sehr wenig Zeit in diesem herrlichen Land. Vier volle Tage mussten für erste Erkundungen ausreichen.

Nach unserer Ankunft am Flughafen in Paro, wurden wir von unserem Guide in Empfang genommen und fuhren direkt los in Richtung Punakha. Für die rund 115 km lange, kurvenreiche Strecke benötigt man gute 3 Stunden Fahrzeit. Nach der Hälfte der Fahrzeit erreicht man den Dochula-Pass. Auf 3100 Meter Höhe wurden hier 108 Chörten – die „Druk Wangyal Chortens“ – erbaut.

Die Chörten erinnern an die Soldaten Bhutans, die in einem Krieg gegen Aufständische aus Assam im Jahr 2003 gefallen sind.
Immer wieder waren auch Gebetsfahnen entlang der und über die Passstraße gespannt.
Punakha
Punakha ist mit gerade mal 7.000 Einwohner eine kleine Stadt im Westen des Landes. Wie auch wir, kommen die meisten Reisenden wegen des
Punakha-Dzong
hierher.

Dzongs findet man nur in Bhutan. Im Vergleich zu Klöstern befinden sich in Dzongs, neben Klosterbereichen – die den Mönchen zum Wohnen und zur Lehre dienen – auch Verwaltungsbereiche. Der Dzong von Punakha wurde in den Jahren 1637 und 1638 erbaut und diente bis 1955 auch als Sitz des Königs und als Verwaltungszentrum Bhutans.
Der Punakha-Dzong ist der zweitälteste und zweitgrößte Dzong Bhutans. Der Dzong besitzt drei Innenhöfe, denen unterschiedliche Nutzungen, wie zum Beispiel Verwaltungs- und Klosterbereich, zugeordnet sind.
Überall gibt es im Dzong tolle Wandmalereien und verspielte Details zu sehen.


Die
Hängebrücke von Punakha
ist mit rund 160 Metern Länge eine der längsten Hängebrücken in Bhutan. Sie überspannt den Po-Chhu-Fluss und verbindet die Dörfer Shengana, Samdingkha und Wangkha mit dem Dzong von Punakha.

Gebaut wurde die Hängebrücke mit Unterstützung der Schweiz.
Nach einem letzten Blick ins Tal von Punakha
ging es für uns weiter in
Bhutans Hauptstadt Thimphu
Kaum zu glauben, wie entspannt heutzutage eine Hauptstadt sein kann. Mit rund 140.00 Einwohnern ist Thimphu nicht gerade riesig, aber mit Sicherheit trägt – neben der herrlichen Lage in der hügeligen Landschaft – auch das Bruttonationalglück dazu bei, dass das Treiben in der Hauptstadt mehr als gemäßigt ist.
Die Hauptattraktion in Thimphu ist der
Buddha Dordenma
Auf einer Höhe von rund 2300 Metern thront der 51 Meter hohe vergoldete Buddha über der Hauptstadt Bhutans.

Im Sockel unter dem sitzenden Buddha befindet sich ein Tempel, in dem sich wiederum 125.000 kleine Buddha-Statuen befinden. Leider ist auch in diesem Tempel das Fotografieren verboten.
Die kurvenreiche Strecke hoch zum Buddha ist wieder von Gebetsfahnen gesäumt und bietet herrliche Aussichten auf Bhutans Hauptstadt.

Darüber hinaus hat auch Thimphu einen Dzong, den
Semthoka Dzong


Der etwa 7 Kilometer südlich der Hauptstadt Thimphu liegende Dzong hat nur einen Innenhof, in dem sich ein dreistöckiger Turm befindet, in dem wiederum der Tempel angesiedelt ist. Wie in allen Tempeln Bhutans ist auch hier das Fotografieren verboten.
Ringsum den Tempel im Innenhof sind Gebetsmühlen angeordnet, ferner gibt es dort viele Bildnisse von buddhistischen Gelehrten zu sehen.

Das Nonnenkloster Zilukha
befindet sich direkt in Thimphu.

Das Kloster Zilukha ist das größte Nonnenkloster in Bhutan. Auffällig hier sind die bunten Getränkespenden, die den Heiligen dargeboten werden.


Einen Besuch abstatten konnten wir ebenfalls der
Ability Bhutan Society (ABS)
Die Ability Bhutan Society ist eine beeindruckende Einrichtung, in der behinderte Kinder – sowohl geistig oder auch körperlich – auf das künftige Leben vorbereitet werden. Je nach Grad der Behinderung erhalten die Kinder eine individuelle Betreuung, um eine bestmögliche Förderung zu ermöglichen.
ABS ist nicht staatlich gefördert sondern auf Spenden angewiesen.
Einen tollen Tag in der Hauptstadt kann man bei einem Spaziergang
auf dem Markt von Thimphu
ausklingen lssen.
Selbstredend geht es auch hier gemütlich zu und man erwischt die ein oder andere Marktfrau dabei, wie sie gerade ein Nickerchen abhält.
Dann ging es schon zum letzten Highlight unseres Aufenthalts in Bhutan – nach Paro.
Auf der 50 Kilometer langen Strecke von Thimphu nach Paro gab es nochmal herrliche Landschaften zu sehen, zum Beispiel den Zusammenfluss der Flüsse Wang Chu und Pa-Chu Flüsse.
In diesem Kloster kann man sich für 3 Jahre, 3 Monate, 3 Wochen, 3 Tage und 3 Stunden zur Meditation zurückziehen:

Angekommen in
Paro
besuchten wir zunächst den
Rinpung Dzong (Paro Dzong)
Der Dzong von Paro wurde Mitte des 17.Jahrhunderts gebaut. Auf das Gelände des Dzongs kommt man über eine Holzbrücke, die den Fluss Paro Chu überspannt.


Ein geschwungener Weg führt dann zum Eingang des Dzongs.

Der Flur, der zum ersten von zwei Innenhöfen des Dzongs führt, ist über und über mit Wandmalereien gestaltet.

Rund 200 Mönche leben derzeit im Dzong von Paro.



Faszinierende Details im Paro Dzong.

Junge Gläubige.

Die einmalig schöne Aussicht vom Dzong auf Paro.


Unmittelbar neben dem Paro Dzong befindet sich ein
Kloster, in dem Tempeltänzer ausgebildet werden


Und dann kam der anstrengendste Teil unseres kurzen Bhutan-Abenteuers – der Aufstieg zum
Kloster Taktshang, das Tigernest

Die Legende besagt, dass Guru Rinpoche im 8. Jahrhundert auf einem Tiger zu einer Höhle zum Meditieren ritt. An der Stelle dieser Höhle befindet sich heute das Kloster Taktshang.
Der Aufstieg zum Kloster ist nicht unanstrengend.
Der Weg startet am Parkplatz auf einer Höhe von circa 2400 Metern und schlängelt sich dann steil den Berg hoch auf eine Höhe von 3120 Meter. Auf etwa halber Strecke befindet sich das einzige Cafe.

Circa 2,5 bis 3 Stunden dauert der Aufstieg zum Tigernest. Wenn man das Kloster endlich auf Augenhöhe vor sich hat, war dies jedoch jede Anstrengung wert.


Wir waren ab dem frühen Morgen zum Tigernest unterwegs und kehrten am Mittag zum Parkplatz zurück. Wenn man das Tigernest gerne im schönsten Sonnenlicht erleben will, sollte man die Tour bis in den Nachmittag ziehen.

Aus zwei Gründen sollte man sich den Besuch des Tigernest bis zum Ende eines Bhutan-Urlaubs aufheben: zum Einen ist es eines der Highlights Bhutans schlechthin; zum anderen hat man aber auch die Chance sich länger an die Höhe zu gewöhnen. Wenn man denn nicht ein geübter Bergwanderer ist, merkt man schon sehr schnell, dass man in größerer Höhe unterwegs ist.
Hat sich Bhutan für uns gelohnt?
Kurz und knapp: Ja, es hat sich voll und ganz gelohnt – Bhutan ist eines der faszinierendsten Länder, das wir bislang besuchen konnten.

Einerseits traditionell, was zum Beispiel die Kleidung angeht, andererseits modern, zum Beispiel im Hinblick auf Nachhaltigkeit, muss man Bhutan einfach mögen. Dieses Gefühl an einem ganz besonderen Ort zu sein, machte sich bei uns schon breit, kurz nachdem wir nach der Landung in Paro aus dem Flugzeug ausgestiegen sind.
Es wird hoffentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis wir ausgiebiger nach Bhutan zurückkommen.





































































































